
Was macht man nach einem anstrengenden Wochenanfang, am Ende eines ewig und immerfort gefürchteten Montags? Ganz einfach, einfach mit den Ärzten mal über die Reeperbahn schlendern. Dabei selbstverständlich die Seele baumeln lassen. Natürlich auch die Augen weit offen haben. Selbstredend Eindrücke sammeln. Freilich auch Gedanken über dieses und jenes machen. Man könnte auch Feierabend dazu sagen den man mehr oder weniger sinnvoll verbringt.
Der Spaziergang über die Reeperbahn kam nicht spontan sondern vielmehr zielgerichtet zustande. Das war mir aber so, morgens bei -4°C und noch bevor der brummige Motor des Fortbewegungsmittels brummte, nicht bewusst. Vielmehr war zunächst Eiskratzen angesagt und damit verbunden die allgemeine Förderung der Hand-Arm-Schulter-Fitness welche den Kampf schließlich gegen die hartnäckige kalte Schicht gewann. Im Übrigen auch den Kampf eines recht müden Dichtungsgummis der hinteren Heckscheibe.
Nach einem Tag voller Überraschungen und Entbehrungen hieß es „I call it a day!“. Dies just einem Kollegen mitgeteilt kam Chef-Chef an meinen Schreibtisch und bat mich in seiner bewundernswerten aber auch dringlichen Art und Weise in sein Büro zu einem vergnüglichen Stelldichein um über Zahlen, Exceltabellen und Präsentationen zu quatschen. So nett eingeladen kann man einfach nicht Nein sagen und *schwupps* war der Klick auf „Standby“ bis auf Weiteres verschoben.
Es gab zwar keine Kekse oder sonstige Leckereien, trotzdem war es sehr nett. Nämlich so nett dass ich mich entschlossen habe morgen sehr, sehr früh im Büro zu erscheinen um ein paar Bildchen nett und aufschlussreich in eine Sammlung von ebenso netten Bildchen und Statistiken zu platzieren. Hach! Könnte das Leben schöner sein? So schön in etwa wie es gewesen wäre bei einem wunderbaren Sonnenuntergang hinter dem Schloss (siehe Album Sammelsurium) nach Hause zu fahren und privaten Dingen nachzugehen. So war es aber nun zunächst mal dunkel und kalt und bevor der brummige Motor brummte, musste ich bei -4°C – na? Ihr wisst schon… Zu dem mich traurig anblickenden defekten Fensterdichtungsgummi gesellte sich ein Bruder und ich hatte den Eindruck dass die Beiden in trauter Zweisamkeit nun auf ewig glücklich sein können.
In Ermangelung einer guten Seele kam es Zauberei gleich wie schnell die „Muckelbude“ auf Vordermann gebracht war und sich erste Überlegungen einstellten wie der gelungene Abend fortgesetzt werden konnte. Ich lud Die Ärzte zu einer Tour nach Hamburg auf die Reeperbahn ein. Was hatten wir einen Spaß! Waren mal am „Scheideweg“, sahen uns als gefährliche und die Gesellschaft bedrohende Übeltäter, faselten über die Rechte der Frauen im allgemeinen und im speziellen, echofierten uns über Guano und konnten fast nicht über den Berg halten mit guten Ratschlägen bzgl. der Aufrechterhaltung der guten Ordnung innerhalb eines Mikrokosmos wie es ihn nur dort gibt. Darüber hinaus gab es kulinarische Genüsse welche sich mit augenweidlich schönen Dingen abwechselten. Zwei oder zweieinhalb Drinks später wurden wir angesichts der Uhrzeit melancholisch und trafen die Verabredung mal wieder dorthin zurückzukehren. Gibt es dort doch jeden Tag, wobei dies keine gesicherte Information ist, etwas Neues zu entdecken, zu bestaunen, zu schmunzeln und zu denken.
Leidlich mit mir und einem weiteren Montagabend zufrieden könnte ich noch anheimstellen nach „Reeperbahn“ und „Matt“ zu googlen und beim gewünschten Ergebnis entsprechende Musik zu hören. Aber das bleibt dem geneigten Leser sich selbst überlassen.
Euer Schirrmi