Imagine

Comp_SommerEs war ein heißer Sommer. Bin alleine daheim. Oberste Etage. Die Hitze flimmert. Die anderen Hochhäuser kann man nicht ansehen, so grell wird die Sonne abgestrahlt. Auf den Gehwegen in der Siedlung sieht man niemanden mehr. Keine Menschen. Wer weiß wo die alle sind. Ein paar Amseln sitzen auf der Wiese und breiten zur Erleichterung ihre Flügel aus, hechelnd, aufreißend die Schnäbel. Keine Besserung in Sicht.

Die Hausaufgaben nur zur Hälfte gemacht. Ach, wird schon werden. Mutti ist arbeiten, Vati ist sowieso weg. Keine Ahnung was die anderen vier Geschwister so machen. Erdrückend alles. Die Hitze, das Erwachsen werden. Weiß nicht was das alles zu bedeuten hat.

Klamotten runter, die Jeans, das T-Shirt. Ich stehe im Wozi und ziehe mich aus. Kann ja mal auf den Balkon gehen, mich bräunen. Tut meiner Haut ja immer gut, die Sonne. Liege da und entschwebe, es gibt keine Zeit mehr, vergesse wo ich bin. Die Schwalben kreischen nicht mehr, sogar sie versuchen vor der Hitze zu fliehen. Wer weiß wohin?

Langeweile. Ein paar Liegestütze, Bauchklappen. Ertüchtigung. So lange wie der Atem reicht. So heiß. Ich schwitze. Schaue meinen Körper im Spiegel an. „Touch me“ kommt mir in den Sinn. Bekomme einen Ständer. Bin aber noch zu klein für die Frauen. Traue mir nichts zu.

In der Bude ist kurze Abkühlung. Mal sehen was da für Platten sind. Wer hat denn die angeschleppt? Ein Apfel drauf auf der einen Seite, ein halber Apfel auf der anderen. John Lennon. Zu jung, wohl noch zu wenig erlebt um sich erinnern zu müssen. Zu wollen.

Imagine.