
Es ist Dienstagabend, fast 18:48 Uhr, MESZ. Die Balkontür ist geöffnet wie um der Muckelbude Mund-zu-Mund-Beatmung angedeihen zu lassen. Wegen Sommer. Dem Sommer 2013. Ich höre Glockengeläut, penetrant läutend von draußen. Es hört sich katholisch an. Ich wundere mich ein wenig was jetzt zum Teufel, verdammt noch mal und verfickt und zugenäht, diese Dinger jetzt Krach schlagen müssen.
Bin ich in ein Zeitloch gefallen? Ist es schon Sonntag und ich muss die Knochenmühlenwoche Morgen erneut beginnen, freute ich mich doch schon auf den morgigen Tag der als ein wenig schöner aber doch hoffnungsfroher Mittwoch als Bergfest gilt?
Nee, nee! Denn schlagartig wurde mir bewusst was geschehen, oder was als wahrscheinlich anzunehmen ist. Ich hatte nämlich grade eine neue Suchtgefährdende Substanz ausprobiert – im Wozi und befand mich in einer Art schnell korrodierenden Vergangenheit die dem ewigen Futur der sich ständig erneuernden Selbstverständlichkeiten vorangeht.
Demzufolge befand ich mich in einer Art Zwischenwelt die mich einerseits nicht festhalten konnte aber andererseits nach vorne stieß in etwas was noch nicht geschah, es mich aber doch schon ziehen konnte. In eine neue Welt.
Auf Deutsch, Ihr Lieben, TV fertig geschaut und ausgemacht im Gedanken jetzt meine XPS sanft und energisch zu streicheln und zu fordern – der ewige Machtkampf zwischen 8- und 1-Core. Diese Gedanken in meinem überragenden Hirn vor mich hin sabbelnd während die Nano-Mikro-Sekunden beim Beam-Vorgang vom Wozi durch die heiligen Hallen an die Schreibtischkonsole vergingen, analysierte ich noch in Ruhe dieses besagte Glockengeläut, mir dabei noch in aller Kürze die Nase zu schnäuzen und im Geiste eine wohl später allgemein aufsehenerregende Abhandlung der Philosophie der Kant-Werke zu formulieren.
Während dieser mit menschlichen Mitteln kaum mehr messbaren Zeitspanne der Beamphase kam ich kriechend und noch ein wenig aufgeregt am Schreibtisch an um plötzlich die Dinge so klar vor meinen Augen zu sehen wie ich sie noch nie sah. Die neue, mir gefälligst gefällig zu sein habende Substanz heißt „The Big Bang Theory“.
Diese Sitcom hat es mir heute irgendwie angetan und sollte nicht über meine angeborene Abneigung des Unterschichtenfernsehens hinwegtäuschen. Die dort agierenden Protagonisten in Form von Juden, Indern, Nerds und weitere überaus liebevolle Charaktere schaffen es regelmäßig mir ein leises Schmunzeln auf die Mundwinkel zu zaubern. Die zumeist sehr einfachen und oft bemüht wissenschaftlich angehauchten Unterhaltungen lassen den gelehrten Verstand des Zuschauers zwar oft gelangweilt aber wenn man sich auf eine solche Art der Unterhaltungen einlassen kann, am Ende doch amüsiert zurück. Har-har!
Im Ernst jetzt. Hatte ich doch das Glück in meiner Jugend-, Ausbildungs- und Studienzeit in ebendieser, hier grotesk verharmlosenden Form von Nerds, aufzuwachsen, so denke ich immer wieder gerne an die Zeiten zurück als ich wie ein Löwe in einer Gruppe von Gazellen, wie z.B. Bernadette, Penny, Amy, Stephanie etc., herumwilderte.
Was hat das jetzt mit dem Glockengeläut zu schaffen? Als ich einsah das mich Pro-7 amüsierte und zeitgleich der Krach von draußen ertönte, kam es mir vor als ob mir das letzte Stündlein geschlagen hat.
Totenglocken. Katholischer Leichengesang. Verbrennen ist heute verboten, lasst sie langsam darben und an der Religion sterben. So in etwa kommt es mir vor wenn ich die Bullerei anrufe und die Schwuchtel wegen Ruhestörung anzeigen will. Denn das hat wenig Sinn, machen die Nazis mit den Katholiken doch schon seit Jahrzehnten gemeinsame Sache.
Jedenfalls will ich nach diesen Ergüssen nun voll Beat hören. Volbeat!
Euer Schirrmi
P.S.: Ich gehe jetzt und nähe mein Säckchen. Ähm, ich meine ein Säckchen. Da kommen dann so kleine, vertrocknete, blaue Blüten rein. Sorry, Petra!
Das Säckchen will ich sehn …grins …und die Mucke läuft auch bei mir gerade !!!!
Gemach, mein lieber Padawan 🙂