Archiv des Monats: September 2017

Junge *ötzchen

Der Workaholic in Reinform! Wer mich kennt, der weiß dass je mehr Arbeit ich aufgehalst bekomme, je anspruchsvoller die Aufgaben sind, umso mehr gehe ich – gehe ich auf. Ich fühle mich bestätigt. Je mehr Stress desto männlicher werde ich. Je kniffliger die Verhandlungen umso enger wird meine Hose, umso mehr habe ich Spaß. Ja, man kann sagen, ich bin ein Business-Man durch und durch.

Betriebsräte sind mir ein Greuel. Hebe mich ab vom Zwang nicht Nachts, am Wochenende oder Feiertags arbeiten zu dürfen. Ja, so lebe ich, so liebe ich das Leben. Immer flott und flink, laut und habe immer Recht. Ein Arbeitsleben in Saus und Braus und im richtigen Unternehmen. Ich darf über mehrere Zeitzonen hinweg arbeiten, welch ein Glück – denn da muss ich nicht schlafen gehen und kann mir 24h lang die Bestätigung holen die ich brauche. Das ich gebraucht werde. Meine Hosen muss ich mittlerweile eine Nummer größer kaufen damit niemand sieht dass mein Schwanz immer größer wird.

Leider ergab es sich letzten Freitag dass ich von meinem Scheff-Scheff nicht die Bestätigung erhielt die ich verdient hätte. Denn er klopfte mir auf die Schulter und meinte: „Heute, Herr Schirrmi, gönnen Sie sich mal einen freien Nachmittag. Das haben Sie sich verdient!“. „Schei…!“, dachte ich so bei mir, packte meine drei Notebooks ein, sorgte für einen weiteren Bonus-Punkt unsere Clean-Desk-Policy und stieg in meine adäquate Karre. Ich fühlte mich hilflos und verloren, denn was hatte das zu bedeuten dass ich Freitagmittag nach Hause geschickt werde?

Also fuhr ich nachdenklich und immer noch sehr potent angesichts meiner beruflichen Leistungen durch die Dörfer in Richtung meiner Villa und sah am Straßenrand jede Menge kleine *ötzchen stehen. Ach, dachte ich so bei mir – um diese Tageszeit sehe ich ja die Welt nicht, was machen denn am hellichten Tag so viele kleine *ötzchen hier?

Und dann hatten sie auch noch so kleine, lustige Rucksäckchen auf dem Rücken. Lachten, spielten und waren voller Freude. Die Sonne schien und sie vergnügten sich als ob es kein Business gäbe. Als ob es kein richtiges Leben geben würde. Ich verstand es nicht.

Die i-Dötzchen

Aus einer Mücke einen Elefanten machen

Soeben saß ich mit L. noch rauchend auf der Terrasse, genoss einen Nussschnaps und jetzt nicht mehr. Davor rauchten wir draußen eine, ich hatte einen Woco und sprach den Nachbarn an der sozusagen in Nachbar‘s Garten schaffte. Jetzt nicht mehr.

Jedenfalls kam man so über dem Zaun ins Gespräch und ich erwähnte beiläufig dass ich letztens viele Stubenfliegen in der Bude hatte. Er erwiderte, ja, diese Mücken, die regen mich auch immer auf. Da könnte man ja verrückt werden. Aber dieses Jahr ginge es. L. erwiderte darauf, ja aber diese Schnaken im Schlafzimmer – diese ewige Herumstecherei. Das wäre doch eine Plage. Ich wollte verbessern, nee, das wären doch Mücken. Und die anderen, das wären Fliegen und keine Mücken. Und dann gäbe es noch Schnaken. Die würden aber doch anders aussehen.

Hier im Westerwald kommt mir das sowieso ein wenig komisch vor. Ich als Rheinländer und nichtstudierter Biologe lasse mich gerne verbessern und darüber hinaus lerne ich ja auch immer gerne hinzu. Aber dass diese Keulenschwingenden Menschen zu Stubenfliegen Mücken sagen, zu Mücken Schnaken, zu Langbeinigen Spinnen Mücken und wiederrum zu den großen, blinkenden Schmeißfliegen ebenso von Mücken sprechen – das, ja das ist mir zu hoch.

Wollte erst diskutieren, molk dann mal ein paar Mäuse und genoss dann aber doch lieber einen weiteren Schnaps. Aus hoffentlich voller Nuss J

Bonus: Im Schlafzimmer hatte ich immer eine Fliege, ähm, Schnake, ähm, Mücke welche ja keine sein sollte aber war. Sie summte hochfrequent um mein lieblich schlafendes Ohr, meine Hand machte Platsch und das Summen hörte auf. So kam ich nicht umhin diese Großtat sogleich der netten C. zu berichten bevor ich von schnakenden Mücken träumte die wie irre um eine große Flasche Nussschnaps fliegten, ähm flogen.