Archiv für den Tag: 30. August 2016

Elegant entspannte Baummaulwürfe

Das kalte Kotzen kriege ich! Plack, kriege ich! Wenn ich auf dem gleichen Fleck Armut, Elend und Tod einhergehen sehe mit Dekadenz und nimmermüden Wellnesstrip. So erlebt, die Tage..

Schön sehen sie aus. Nein, nicht Sie! Ich meine die Feuersalamander. Und als Nicht-Biologe kann ich die unterschiedlichen Tiere der gleichen Gattung nicht auseinander halten. So nenne ich sie alle schlicht „Fridolin“. Der Fridolin oder besser, die Fridolinen waren 2013 recht oft und lebhaft unterwegs, dann aber im Jahr 2015 in Massen verstorben auf den Wanderwegen zu sichten. Platt, verendet, die Gedärme von innen nach außen und mit allem Drum und Dran.

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Diese lustig und wunderlich gemusterten, toten Burschen machten ein Jahr später Platz für eine optische Kakophonie von toten Feld-, Spitz-, Hausmäusen die in einer unaussprechlichen Vielzahl, graugemustert und mit hoffnungslosen Knopfaugen in die Höhe starrend auf den Wegen lagen.

 

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Zermatschte Schnecken, deren zerknirschte Gehäuse, platt getrampelte Schlangen, Eidechsen und Trilliarden von widerspenstigen, aber am Ende doch zerknackten Käfer – welche grade noch ein paar Scheißhäufchen rollten, lagen da am Boden. Andächtig wandere ich wie auf einem Maushindernispfad, die Schleiereule, recht versteckt im Wald schaute uninteressiert zu und wartete auf die Dämmerung. Von oben krächzt der Bussard, das Rehwild macht sich rar. Rechts stand ein Baum und links stand ein Baum. Und in der Mitte floss ein Bach. Ach!

„Fridolin“ so sprach ich ihn an. „Da liegst und rührst Dich nicht. Mit einem Bein ab – ein Auge ausgehöhlt. Und stellst Dich tot. Du machst es gut. Hast meinen schweren Schritt auf dem Wanderweg gespürt. Bleib liegen und ruf Deine Familie um das Bein abzubinden, das herauslaufende Augengel mit einem Eichenblatt abzuwischen.“ Alles gut!

comp_cg6a2528„Frau Spitzmaus, das wissen wir doch alle.“ „Bist Du nicht mehr da, stirbst nicht nur du sondern die ganze Brut. Einpaarundzwanzig an der Zahl, die ganze kleine Babyschar.“ So sehe ich dich zittern und wäre ich ein Habicht, du ernährest meine Kinder. „Sei klein und versteck dich in dem Gestein, sei eins in Grau und Grau. Sei unsichtbar und rühr dich nicht.“ Und hoffe..

„Der lustige und unerschrockene Harzer Baummaulwurf“

Er hat im jahrhundertelangen, sportlichen Wettstreit gelernt sich aus dem dunklen Erdreich auf die Bäume emporzuarbeiten. Nur die Besten der Besten haben zeitlebens jemals das Tageslicht erblickt und die lichten Höhen der Baumkronen erklommen. Nur die Mutigsten und Stärksten, an Wagemut reich mit felsenfestem Freiheitswunsch kämpften sich heraus aus dem dunklen, feuchten Erdreich nur zu einem Zweck: Ein Baummaulwurf zu werden.

Eine stolze Untergattung entstand in gefühlt, ewiglangen Jahren. Da oben in den Bäumen hangelten sie sich von Ast zu Ast, sprangen von Baum zu Baum und eroberten die Welt oberhalb des Erdreichs, der dunkel, feucht und ohne Licht den blinden Vorfahren ihr karges Auskommen sichert.

Nicht genug ihr Selbstbewusstsein oben in den Bäumen. Die Tapferen stiegen herab und legten sich rücklings auf wärmenden mit kleinen Kieseln und Moos bedeckten Boden- um unerwartete Wonnen zu erspüren. Die Sonne, kribbelnd und wärmend auf dem kleinen, dicken Bauch. Andere behängen Ihren Körper mit dem glitzernden Familienschmuck, fühlen grenzenlose Macht ob ihren königlichen Stand in der freien, hellen Welt. Smaragde, Rubine – nur hier unten bin ich der Baummaulwurfking!

 

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Von ganz weit weg hörten sie ein Grollen. Langsam kam es näher, die belebenden Sonnenstrahlen auf ihrem Bauch, das Geräusch. Doch Eigensinn macht stark. Es kommt näher, von unten klopft es, schrillende Warnungen zuhauf: „Mein Freund, das ist nicht Deine Welt – komm zurück!“.. Ach denkt er faul – „.. das unterirdische Volk!“

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Gute Nacht!

Höflichkeit kommt weiter– auch in der Natur

Was mir meine Oma schon damals gelehrt hatte, Höflichkeit kommt weiter. Und das kann ich immer noch bestätigen. So wie letztens als ich vom Carlsturm abstieg und durch das landschaftlich überaus attraktive Dammbachtal zurück nach Trautenstein spazierte.

Es ging ein wenig abwärts. An diesem Tag hatte ich noch keine andere Menschenseele auf meiner Wanderung getroffen, leise schmunzelnd über den schmalen, steilen Pfad den ich wie ein junges Reh heruntersprang, die Wandersohlen wie Klett am grenzwertigen, matschigen Abhang, hörte ich von unten ein Schnaufen und Stöhnen. Ah, da, ein Mountainbiker kommt mir entgegen. Ein Opfer!

Ich schaue da unten runter auf seinen Helm und warte noch fünf Meter ab bevor ich ihn ansprach: „Hallo und einen schönen guten Tag!“ Er kam luftlechzend auf meine Höhe und ich weiter: „Wie geht’s? Wie steht’s?“ Er reduzierte seine Schildkrötengeschwindigkeit und hielt wackelnd an – versuchte am Hang noch beide Füße in den Pedalen zu halten – ohne Chance, er kippte und hielt an. Jovial fragte ich ihn „ist das hier richtig zum Dammbachtal, mein guter Herr?“ und lächelte höflich. „Krzzzz, öchzzz, japppss, grunnzzzzzzzz… „ antwortete er. Mit einem überaus freundlichen „Vielen Dank“ ging ich weiter meines Weges – steil runter und hörte hinter mir ein Krachen, Knacken der Gangschaltung und ein fürchterliches aber unverständliches Fluchen und dachte nur so bei mir: Öh, man hält am Berg nicht an, nie und nimmer nicht. Und wenn, dann halte in dem Gang an in dem du weiterfahren kannst.. „Der Anfänger…“ murmelnd zog ich mir meine Appelschorle aus dem Rucksack und machte ein Foto wo der Herr seinen Drahtesel den Hang hinaufschob.

Bitteschön!