Es fing schon in der Nacht an. Es wurde unnatürlich hell, es krachte mit dumpfen Paukenschlägen als ob die Welt untergeht. Wir wachten auf und hatten das Gefühl es will uns jemand etwas sagen. Ein großartiger Himmel der mitleidslos seine Pforten öffnete und seine nasse Flut im hellen Zwielicht über unsere kleine Welt ergoss. Es war nachdrücklich und voller Wut. In dieser Nacht stand ich das erste Mal auf und schaute andächtig hinaus ob der Naturgewalten die man erlebt und sich ganz klein und machtlos fühlt.
Weiterschlafen? Nein, daran war zunächst nicht mehr zu denken. Mir ging zu viel im Kopf, im Herzen herum. Die Natur, so finster und ohne Gnade, richtet ohne Reue. Ohne Angesicht der Person die voller Angst dann merkt wie unnütz all die Dinge sind. Sie ist einfach da und vollzieht ihr Werk. In einem unendlich wiederkehrenden Rhythmus so schön und voller Kraft, so schrecklich – ehrlich ohne Mitgefühl.
Ich wurde von einem Weinen geweckt. Hörte dieses herzzerreißende Jammern und Heulen noch nie bei einem Vogel. Das zweite Mal trat ich in dieser Nacht ans Fenster und schaute also raus um zu sehen wer es schafft mich mit so unendlichem Leid zu wecken. Der Vogel weinte und jammerte voller Traurigkeit und zum Erbarmen. Eine Eiseskälte breitete sich in mir aus. Eine furchtbare Vorahnung erfasste mein klammes Gemüt wie eine langsam festzupackende Eisenfaust mein Herz. Um es herauszureißen. Angst und Verzweiflung erfasste meine Seele, ohne zu wissen warum. Ich weinte innerlich mit.
An Schlafen war nicht mehr zu denken und ich stand auf. Dann klingelte das Telefon. Der große Bruder ist am anderen Ende. „Kleiner Bruder. Der Papa ist heute Morgen gestorben.“
Unser lieber Papa.