Archiv für den Tag: 7. April 2016

Body – oder nicht?!

Wissen Sie? Nein, wissen Sie nicht. Als ich jung war und erste erotische Erlebnisse hatte, ich meine, wollte haben, hatten die Damen sogenannte Body’s an. So T-Shirts die unten weiter gingen und im Schritt geknöpft oder gehakt wurden. Jedenfalls hatte ich damals in jungen Jahren ein wenig Probleme dem vermeintlichen Paradies näher zu kommen.

Ein Gefummel zum Erbarmen. Sie glauben es nicht. Die Angebetene rollte mit den Augen, ich sah es von unten, und ich wünschte mich wer weiß wohin. Innerlich mein Weltkriegsopa in den Ohren: „Rrrrran an den Feind! Koste es was es wolle!“ – so versuchte ich es. Die Dinger, Schlafanzüge, Strampelanzüge – hach, ich musste immer nur an Babys denken. Denn nur die wurden untenherum geschlossen. Mit Druckknöppe.

Der Penis. Der wurde kleiner. Die Lust ließ in dem Maße nach wie die Fummelei da unten seinen Gang ging. Bis die Angebetene eingriff und selbst Hand anlegte, Erbarmen hatte und sich selbst aufknöpfte.

Jedenfalls – heute morgen habe ich mir mein T-Shirt irgendwie in die Unterhose gesteckt. Nachmittags musste ich Pipi machen. Dringend. Ich stand vor dem Piss-Dings und hatte verdammte Scheiße nochmal eine Jeans mit Knöpfen an. Als die Knöppe auf waren bekam ich den alten Kameraden nicht raus. Warum? T-Shirt dazwischen – in der Unterhose! Erste Freudentropfen machten sich bemerkbar und ich realisierte dass die Zeit nicht mehr ausreicht.

Jetzt weiß ich wie es sich anfühlt ein Body zu tragen. Ihr armen Mädels, ich armer Schirrmi.

Natursekt gefälligst? Hose nass.

Diebe, Wadenbeißer und hochnäsige Herrscher

Kaum aus dem Winterschlaf erwacht, kürzlich eine immer noch unbegreifliche Zeitumstellung erlebt, stehe ich hier schmauchend vor der Tür und sinniere vor mir (mich?) hin. Frühmorgens, Knochenmühle, Raucherplatz.

Das erste Tagwerk, den Compi in die Dockingstation gesteckt, am Netzwerk angemeldet, kurz die Systeme und hochbrisante Emails gecheckt, der Pfefferminztee zieht vor sich hin – ich gehe runter um meine erste Ziggi zu mir zu nehmen. Ruhig. Ein. Aus. Atmen. Ruhig. Nicht daran denken was passiert wenn die Anderen kommen. Erstmal alleine sein. Zu sich finden. Vor dem großen Stress.

Frühmorgens ist die Welt sehr schön. Der Himmel, die Wolken. Den frühmorgendlichen Aufweckkuss mit dem süßen, über die Straße laufenden Fellvieh ausgetauscht, hach! Dann der Sonnenaufgang. Unwirklich, atemberaubend. Da, dahinten sehe ich die Schlote meines Industriebetriebs. Wenn ich mein kleines Näschen recken wollte könnte ich den herrlichen Duft von Plastik riechen. Der heiße Dampf, die Abgase brechen sich in rosaroten Farben am Horizont, erzeugen bunte Wolken – schöner als die Natur es machen könnte. Die hohen Silos stehen schwarzschattiert im Vordergrund wie Mahnwachen vor einer großen Gefahr wo wir noch nicht wissen dass sie unweigerlich über uns kommt.

Herrlich! Alleine! Farben! Bevor das Roulette anfängt zu drehen denke ich an Kafka. Man kann unschuldig sein, erwartet und fürchtet trotzdem seine Hinrichtung. So beginnt jeder Tag.

Ich schaue nach vorne und sehe seit Wochen dass ein Elster-Pärchen mit liebevoller Hingabe ein kunstvoll geflechtetes Nest bauen. Etwas grob, zugegeben, aber hinreichend groß in einer Astgabel eines Baumes der noch keine Blätter hat. „Sehr sichtbar“ murmelte ich zu mir. So sichtbar dass dieses Nest auch von anderen liebestollen Lebewesen recht begehrenswert ist. Wenn das Elsterpaar weg ist (Aldi, Lidl, Späti, usw.) kommen dann die Meisen, laut kichernd. Sie zanken sich, der alliierte Luftkampf im 1. Weltkrieg war ein Scheißdreck dagegen, mit den Spatzen um dieses wunderschöne, große in der Astgabel gebaute Schloss. Und ich schaue zu und weiß was passiert.

Von weitem hört man schon ärgerliches Geschnarre. Kampfformation, die bunt, wie Edelsteine im morgendlichen Sonnenlicht glitzernden Schweife ausgebreitet, böse blickend sowie hinterlistig von zwei Seiten kommend – Mama- und Papa-Elster wie abgesprochen nehmen sie sich die frechsten vor, die Spatzen. Die Meisen geben kampflos auf, während ein vorwitziger Sperling noch im fremden Nest hockt, zugegebenermaßen vor Angst in die frische Kinderstube kackt, laut plärrend und einige Federn lassend das Weite sucht. So – die diebischen Elstern, obwohl ich diese Eigenschaft noch nie in Natura kennen lernte, machten die Brust breit, voller Adrenalin verteidigten sie die zukünftige Kinderstube, verjagten die kleinen Wadenbeißer (die richtig, richtig mutig sind) während ein Bussard, hochnäsig, oben im Himmel leise kreisend sich das Geschehen ansah, wahrscheinlich mit dem Gedanken „ich komme wieder, wenn das Nest belebt ist“, abdrehte. Ich ging in mein Büro und ließ der Natur ihren Lauf.

Bis Morgen Ihr Verrückten!

Schirrmi