Konträres Miteinander

Musik recht laut, der Pegel recht hoch..

Ich berühre sie an der Schulter, sie keift zurück.
Zärtlich, wohlwollend, erklärend ich..
Sie: „Ach hör doch auf!“

Damals die Bullen auf der Autobahn, ich fuhr nicht viel zu schnell. Da auf dem Parkplatz, sie zogen ihre Waffen und brüllten unfreundlich „Herr Schirrmi, Hände hoch und keine Regung!“ Einer googelte wohl in der Datenbank und wurde fündig, funkte nach Verstärkung – ich hörte, die Hände auf dem Dach, die Beine breit: „Gefährlich.. – gegenüber Beamte – Tod- und Mordschlag..“ Ich fragte und zuckte nur zum Spaß mit meinen Schultern: „Wat gibbet denn, verehrte Herren?“ Hochachtung und Pistolen in deren Händen war mein Lohn. „Sie sind doch bekannt, nicht?“ Und weiter: „..gegenüber Polizeibeamte..“. Jaja, das alte Spiel. Die kannten es nicht, ich schon. Gelassen erzählte ich von meinem woher und wohin (dem kleinen Jungen ein neues Fahrrad kauf wollen) und ich habe ja immer gerne angenehme Gesellschaft und dann kam die übliche Frage. „Wie können Sie sich so ein Auto leisten?“. Tja.. „Ich habe den richtigen Job – Sie nicht.“ Ich bekam den Lohn. Stand einigermaßen breitbeinig an der Karre da kommt die Witzfigur und tritt mir innen an den Fuß. Er wollte wohl, wie diese uniformierten Knaben so sind, mich breitbeinig und den wohldefinierten Arsch sehen damit es daheim im Bett mal klappt. Jedenfalls trat er einmal und es tat sich nichts bei meinen Füßen. Er trat noch mal in die Innenseite. Tat sich nichts. Ein Drama, dachte ich mir und half ihm auf die Sprünge: „Mein lieber Herr Kriminalpolizist – das kriegen Sie nicht hin.“ „Soll ich Ihnen mal zeigen wie das geht?“ –  wendete grienend mein jetzt halbwegs angepisstes Antlitz zu dem Retter der BRD-Öffentlichkeit, er sah und rief nach Verstärkung. Die dann kam. „Herr Schirrmi, ehrlich gesagt, wir wollten Sie dran kriegen weil Sie renitent sind.“ Und weil sie nichts fanden, bezahlte ich Fünf EUR für ein kurzzeitiges überfahren einer nichtunterbrochenen Linie. Ich schaute mit Ruhe jeden dieser Staatsfotzen ins Gesicht und sagte nichts. Ich schaute nur. Und lächelte. Ich gab zwanzig EUR als Spende und dann der Eine „Ah, da haben wir Sie!“ „Bestechung!“ und zückte sein Notizbuch. Da wurde mir das zu viel, nahm ihm die Pistole und die Handschellen ab (gelernt ist gelernt) und fragte ihn ob er und seine Familie noch einen schönen Tag haben will. Seine Kollegen bejahten früher als er. Ich ließ sie fahren. Fotzen!

Mit ein paar Tuborg besorgte ich meine Geschäfte und habe immer noch im Hinterkopf – spiel kein Eishockey- oder Fußball- oder sonstige Spielchen mit Schirrmi wenn Du Dich in Deinem armseligen, von mir und allen andern Millionen Steuergeldern finanzierten Leben auf Gegenstände verlassen musst die Du nicht im Griff hast. Du dumme, arme Bullenwitzfigur!

Ich bringe einige doofe Schwingungen mit in mein Privatleben. Kann manchmal nicht abschalten. Hänge in Gedanken nach. Finde viele Dinge schlimm die ich nicht erklären will weil ich sie für selbstverständlich halte, weil – Achtung: Früher alles besser war, harhar – Ausbeutereien neben mir sehe und weil ich aus der Gosse komme, mitfühle und beschütze. Das wird nicht gern gesehen. Denn die hatten mich mal als Jesus auserkoren. Der, der Eine der auch Schlimmes, gut verpackt, unter die Unteren verbreiten kann ohne dass es einen Aufstand gibt.

Jetzt kann, wer will, jeder einen Gegner haben. Mich. Nur zu..

P.S.: Das ist ja das Schlimme, ich hätte nie in deren Datenbanken aufgrund von Löschfristen auftauchen dürfen. Doch die löschen nicht. Und habe denen im Nachhinein noch ein Verfahren auf den Hals gejagt. Waffenträger? Entwaffnung! Meine Meinung seit hundert Jahren.. Mörder!

Verlorengegangene Natur

Endlich Feierabend! Die Businessklamotten weggeworfen, die Hände sind ordentlich gewaschen, die Füße nicht. Ich denke immer noch an die verpasste Gelegenheit. Denn vom Businesspark-Bürogebäude hingen eisschwere Spinnenweben wie glitzerndes Lametta herab als ob ein Weihnachtshonk mit Prunk und Gloria sein Heim schmücken wollte. Es war verwunderlich, so als ob man das reine Leben plötzlich – eiskalt erwischt hätte. Als ob niemand mehr Zeit gehabt hätte die Flucht zu ergreifen, hingen kaltgefrostet die kleinen Künstler noch dran. Ich hatte meine Cam nicht dabei dies einmalige Schauspiel vor bunter aufgehender Sonne festzuhalten.

So sitze ich jetzt hier im Wozi mit einem Drink und ein paar schnell zubereiteten Snacks am Tisch und lasse mich von „Bares für Rares“ berieseln. Wie üblich lasse ich den Tag Revue passieren und kann immer noch nicht das Firmentelefon, jetzt in Version 7, lassen. Der Tabakbeutel ist auch offen, denn der Inhalt ist seltsam frisch, irgendwie zu doof zum Drehen. Ein halbgefressener Schokipudding steht auch noch da während der Horst Kleinoden zum Besten gibt. Ich freue mich schon auf das Wochenende. Wie immer, selbstredend. Doch dieses Wochenende wird was ganz besonderes. Erst am Samstag für die Knochenmühle schuften, dann am Mittag ein neues Zuhause besichtigen. Das wird schon bestimmt, ganz ehrlich, ganz toll. Doch der Sonntag wird besser. Ich soll nämlich mitten in einem Fluss parken um dann fußläufig selbstgemachte türkische Speisen zu verkosten. Es ginge um Wale und grandiose Natur. Es ginge um eine liebe Gastgeberin die ich lange Zeit nicht mehr sah. Bei letzterem ist meine Freude groß, was Jetzige nicht ganz nachvollziehbar fand.

Ich schweife ab.

Ein Einwegtaschentuch vor mir auf dem Tisch ausgebreitet, meine Fingernägel sammeln in den letzten Tagen immer mehr Blut, nahm ich mein Kosmetiktäschen und schnitt mir die Fingernägel. Es wurde Zeit. Es waren zehn Nägel zu schneiden und wenn Sie mich kennen wissen Sie dass es lustig aussieht wenn ich das tue. Denn die rechten fünfe gehen gar nicht. Aber egal und weiter im Schneidetakt: Erst die nicht-hübsche Hand wo das noch funktioniert. Dann die andere Hand.. Am Ende schaute ich auf das Taschentuch und zählte nach. Ich fand 6 abgeschnittene, stinkende, blutverkrustete Nägel. Es sollten aber 10 sein. Ich schaue so rum – die Snackschalen, der offene Pudding, der Drink, das Paket mit den grade angelieferten neuen Klamotten – ich fand die anderen 4 nicht – mehr.

Tja. So gehen die Teile von Dir dahin. Verschwunden und nimmer dar. Meine Oma hat, hätte heute Ihren Geburtstag. Ich liebte sie, sie liebte mich. Sie ist nicht mehr da um mir zu sagen: „Johannes, achte auf Deine Fingernägel. Du möchtest doch auch mal ein Mädel haben – wir achten darauf.“. Die Süße.

Wussten Sie schon dass ich bald aus meiner Muckelbude ausziehen muss? Und wussten Sie auch dass unter meinem Wozi-Tisch ein grobfloriger, schwarzer Flokati-Teppich liegt? Ich bin ja schon gespannt was da nach dem Umzug ans Tageslicht kommt. Sicher könnten diverse Verbrechen aufgeklärt werden. Denn ich höre immer noch ein leises Jammern, Stöhnen und Gewinsel im Teppich der Leute die sich als Gäste nicht recht und adäquat benommen haben. Aber wenigstens verhungern die nicht. Haben ja was zu knabbern.

Guten Appe!

Currywurst-Rezept-der-Woche

Rezept der Woche: Kartoffelgratin

„Huch? Was macht denn der Sack Bio-Kartoffeln in meiner Küche?“ dachte ich so in totaler interessanten Umnachtung vergeistigten Sphären als ich das große Lexikon der Philosophie beiseitelegte um mir ein wenig Trüffel zu holen welche ich in meinem Aldi-Schokopudding krümeln wollte. Dann fiel es mir wieder ein. Denn eigentlich wollte ich schon vor ein paar Tagen eine lecker cremige Kartoffelsuppe kochen. Ich tat es nur nicht weil mir wohl etwas dazwischen gekommen ist. Vielleicht ein Steak. Oder eventuell Grünkohl mit Pinkel. Oder so. Nageln Sie mich bitte nicht fest.

Jedenfalls war da immer noch der Sack und was liegt näher als mal wieder ein Kartoffelgratin zu fabrizieren? Es wäre ja nicht das erste Mal und so was mache ich aus der Lameng. Doch dieses Mal sollte es besonders werden. Ich fragte Freunde, Bekannte, befragte die hohe Schule der Küche und meine Anfragen gingen sogar bis weit in den Süden Deutschlands für Ideen einen „anderen“ Kartoffelgratin zu bereiten. Und wurde fündig, fand Rat und also tat ich.

Die flache Auflaufform rieb ich mit Butter ein. Dann habe ich immer fertig geschälten, entkernten Knoblauch, der seit ein paar Monaten in Öl und allerlei sonstigen Kredenzen eingelegt ist und nahm einen Pinsel um mit der gereiften Flüssigkeit ebenfalls die Form einzupinseln. Die Kartoffeln (ein Sack, hehe) schälte und wusch ich und sie sollten in maximal 3mm Scheibchen geschnitten werden. Ich versuchte erst eine handelsübliche Reibe aber nach Aua nahm ich dann doch lieber ein feines, scharfes Messer und schnitt in aller erdenklichen Mühsal. An einer Käsetheke erstand ich hochwertigen Parmesankäse (ca. 125 Gramm) sowie den überaus köstlichen, Schweizer Gruyere Käse (250 Gramm). Vorher nahm ich noch einen kleinen Online-Französischkurs um den Käsenamen aussprechen zu können ohne mich zu blamieren. Aber wissen Sie was? Dieser Käse – wundervoll! Paradies! Also werden beide Käsesorten in separate Schüssel gerieben. Das war es auch fast schon als Vorbereitung.

Den Backofen zwischendurch auf ca. 180 Umluft vorgeheizt, wird ein Drittel der feinden Kartoffelscheiben auf den Boden der Auflaufform geschichtet. Diese Schicht wird mit Salz, Pfeffer und Muskat gewürzt. Darüber ein Drittel des geriebenen Parmesankäse. Dann die zweite Schicht ebenso gleich und die dritte Schicht ebenso. Der himmlische, geriebene Gruyere kommt als oberste Schicht drauf. Dann ab in den Ofen für ca. 30 Minuten, ganz unten auf dem Boden und die Form bspw. mit Alufolie zugedeckt damit oben nichts anbrennt oder zu dunkel wird. Nach den 30 Minuten dann auf der mittleren Schiene noch mal ohne Bettdecke ca. 20 Minuten weiter backen. Warum ca. 20 Minuten? Bitte immer den Bräunungsgrad beachten. Es soll nicht zu dunkel werden.

Und was soll ich sagen? Mein Gast und ich waren begeistert. Schmackofatz! Und wissen Sie was? Weil es so lecker war, ich reichte extra „Schirrmi-Steaks“, habe ich keine Fotos gemacht. Hihi, ist sowieso verpönt heutzutage, glaube ich. Aber egal: Enjoy! Very, very much!

Fotoshooting – Missverständnis

Wie Sie sicherlich wissen habe ich Hobbys. Unter der Vielzahl derer gehört die Fotografie. Eines meiner liebsten Steckenpferde. Wenn ich Lust habe könnte man meine Ergüsse als Semi-, Hobby-, Freizeit-, Larifari-, Recht-Nett-Fotografien bezeichnen. Aber wenn ich richtig Lust zum Fotografieren habe und den scheelen Blick mal Grade sein lasse, dann, ja dann – erstehen im Ergebnis Werke, ich möchte schon fast sagen, Meisterwerke. Unverkäuflich sozusagen, im besten Sinne.

Wenn ich also richtig, richtig Lust habe bereite ich mich vor. Dazu gehört neben der Cam das schlussendliche Bild im Kopf, die Location, das Model, die Kleidung, Komparsen, die Lichtsklaven, Visagisten und so weiter und so fort. Für ein Jahrhundertfoto, davon fabrizierte ich schon Acht, muss alles stimmen und durchgeplant sein. Durch jahrelange Erfahrung und internationaler Erfolge kann man ruhig auch vorab finanziell investieren denn, das fertige Foto ist schon im Kopf, Applaus, Trophäen und große Presse sind vorprogrammiert.

Ich erstand auf eigene Kosten ein paar Klamotten / Requisiten (man lässt sich ja nicht lumpen und ein Vielfaches wird der Lohn sein) und sprach zum engagierten Model – sie noch im Bademantel: „Schätzelein, schau. Das habe ich für das Shooting besorgt. Das geht doch in Ordnung, oder?“

Sie so: „Na, wenn Dir das nicht zu unbequem ist..“ und taxierte kritisch meinen Körper. „Kannst anziehen was Du willst. Hauptsache die Aufnahmen werden ansprechend.“

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Etwas verwirrt zog ich mich um, es spannte ein wenig und ich schoss 🙁

Geschenkte Gedanken

Der Konsumterror hinterlässt auch bei mir Spuren. Ich schenke sehr, sehr gerne. Fängt ja jetzt wieder an. Aber was ich überaus ungerne und oft sehr ungeschickt mache, die passenden Geschenke für die Lieben zu besorgen. Kennt man, gelle? Soll ja was persönliches sein. Etwas mit Sinn und Verstand. Man will es ja nicht, wenn Gras über die Sache gewachsen ist, zurück geschenkt bekommen. Sehr schön dass jetzt grade sogenannte Cyber-Wochen, -Freitage, -Montage waren. Und jetzt kommen die überall mit ihren Adventskalendern. Kaufen Sie!

Voll der Stress, Ey! Tage- und Nächtelang suchte ich, stöberte im Internet, verglich die Preise, notierte, stellte mir den Wecker und bestellte und kaufte. Das Problem dabei: Ich habe nichts für die Lieben gefunden. Alles nur für mich. Ich freue mich schon auf die Sachen wie Bolle. Jetzt schreibt mir meine Packstation im Tagestakt Kurzmitteilungen dass schon wieder etwas für mich angekommen sei. Hach! Herrlich! So versüßt Mann sich die Adventszeit :-).

Jetzt stöbere ich grade in einem Prospekt eines liebgewonnenen Versandhauses und denke darüber nach das ich in meinem Leben viel zu wenig von Mark Twain gelesen habe. Denn hier stehen ein paar Zitate von ihm wie z.B. „Ich bin der eselhafteste Mensch, den ich je gekannt habe.“ Oder „Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Wörter weglassen.“ Mark Twain war doch ein Ausbund an Menschenfreund, nicht? Den hätte ich mal gerne persönlich gekannt. Aber seine Gedanken, die kann ich mir doch schenken.

Irgendjemand sagte mir mal „Schirrmi, du Bekloppter!“. „Warum kaufst Du Dir in der Vorweihnachtszeit immer so viele Sachen? Das macht es für Deine Lieben schwer.“

Tja.. Warum soll nur ich es schwer haben? Kicher

Ich möchte ja wieder Weihnachtskarten selber machen. Und wenn das Drama mit Geschenken anfängt, hier hört es nicht auf. Mit nackten Kriegsfüßen stehe ich auf Photoshop. Kreativität fängt bei mir beim Blaumachen an und hört mit dummen Ausreden auf. Aber ich schau mal. Irgendwas lässt sich schon hin kleckern. Soviel zum Thema Stress.

Adventiges Driving Home

Hören Sie gerne Musik? Falls ja und wenn es Sie interessiert: Ich auch. Hier ein Song welches ich heute im Auto hörte und mich entfernt an eine Zeitschleife erinnerte:

Arschkalt war es diese Woche. Nur heute Morgen nicht. Da war es 10 Grad wärmer als die vergangenen Tage. Die Karre war immer vereist und das seit Montag. Erst heute kam ich auf die glorreiche Idee mir vorher Handschuhe anzuziehen. Unnötigerweise. Denn heute waren es anstatt minus 8, plus 3 Grad. Fühlte mich wie in der Karibik und zog mich aus bevor ich ins Auto stieg. Nur mit Handschuhen bekleidet und auf dem Knochenmühlenparkplatz angekommen war mein Popo verbrannt. Scheißsitzheizung!

Ich schweife ab. Die Adventszeit hat angefangen. Sieht man ja bei den Nachbarn. Da blinkt und glitzert es schon. Die verkniffenen Gesichter der hartherzigen Menschen werden jetzt in der dunklen Jahreszeit angeleuchtet. Wenigstens etwas. Dann erkennt man den Feind schon besser als wenn man erst in die Fresse hauen muss und erst bei kostenlosem Blaulicht sieht welchen Zombie man erwischt hat.

Wie jedes Jahr habe ich keinen Adventskranz und schmücke meine Bruchbude auch nicht mit Zinnober und sonstigem Unrat. Aber als ich genannten Song im Radio hörte fingen meine Befürchtungen an. Was kommt jetzt die ganzen weiteren Tage und Wochen? Weihnachtsmusik. Driving Home for Christmas. Oder da das Ding von Wham oder wie die heißen. Jedes verschissene Jahr! Und wie immer werde ich fluchen und kotzen und bis nächstes Jahr kein Radio mehr hören. Und dann irgendwann fängt alles wieder von vorne an.

Während diesen Gedanken hebe ich ausdauernd mein Glas und betrauere mich. Bin ich eigentlich jetzt der erste Mensch der sich darüber aufregt? Wie jedes Jahr? Wie jeder ordentliche Mensch?

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Fundstücke: Titanic über Klopp über Luther

Ganz Schland ist im Luther-Fieber. Nervig genug wenn man mal wieder den gemeinen Hartzer vom Wesentlichen ablenken möchte. Luther, hmh. Tja, also.. Kenne ich. Habe viel über ihn gelesen. Historische Orte besucht. Und ja, auch die Bibel studierte ich. Schaute Filme und machte mir so meine Gedanken, was man so machen sollte. Parlierte über Luther gegenüber meinen Söhnen und nahm sie sogar mit ohne Esel hoch auf die Wartburg.

Andere haben genug weise Worte, andere ihren Senf dazu gegeben. Somit gibt es von mir nur wenig und von der geliebten Titanic ein wenig mehr. Denn sie entgegnete heute so treffend auf den jüngsten Spruch eines ehemaligen Fußballspielers:

Und aber apropos, Jürgen Klopp!

»Ich mag Luther, weil er für die Unterprivilegierten und Ausgeschlossenen gekämpft hat«, vertrauten Sie als »Botschafter fürs Reformationsjubiläum« der Reformationsjubiläums-Spezialausgabe von Chrismon an. Und wie er für die da unten gekämpft hat! »Man darf dem Pöbel nicht zuviel pfeifen, er wird sonst gern toll. Es ist billiger, ihm zehn Ellen abzubrechen, als ihm in einem solchen Falle eine Handbreit, ja, die Breite eines Fingers einzuräumen. Und es ist besser, wenn ihm die Tyrannen hundertmal unrecht tun, als daß sie dem Tyrannen einmal unrecht tun. Denn weil ja das Unrecht gelitten werden muß, so ist vorzuziehen, durch die Obrigkeit zu leiden, als daß die Obrigkeit durch die Untertanen zu leiden hat.« Denn bei Unterprivilegiert- und Ausgeschlossenheit hat sich der Herrgott halt was gedacht: »Geld, Güter, Land und Leute haben ist an sich selbst nicht unrecht, sondern Gottes Gabe und Ordnung.« Und schließlich: »Armut ist in der Stadt groß, aber die Faulheit viel größer.«

Und also gar kein Wunder, daß die herzliche Hartz-Republik Deutschland ihren Luther mit einem Staatsakt feiert und einer, der den »extremen Leistungsdruck« (Chrismon spezial) mit Gott (und Geld) gut aushält, der Pöbelfeinde Botschafter sein kann, ja muß.

Finden Sie nicht auch? Titanic

Ja, finde ich auch. Herrlich! Ein schönes Luderjahr wünsche ich Ihnen allen!

Schirrmi

Süße Klänge

Heute geht es mir gut. Gestern sah ich noch alles klar – solang ich trank. Ich schaute mit tränenden Augen raus, Berlin im Nebel, unheimlich irgendwie. Watte auf einem Riesen den man nicht stören mag. Es trippelt, trappelt – Reste einer Nacht, ich wünsche mir dass sie nicht stolpert, nach Hause fand.

Falls man mich fragen wollte würde ich keine Antwort geben. Nicht heute Abend als ich mehr als ehedem die Welt so anders sah. Da war die Kleene, die ungeachtet meiner Miene den Trunk ausschank. In geschäftiger Manier wurd sie nicht gewahr meiner Blicke, die voll, doch allein – in einer fremden Welt verweilten. Des Wirtes Arm ging hoch und runter, stoisch, immerdar. Ich schaute, kam ins Wundern, wie das menschliche Geschlecht so einfach – fröhlich, mit einem Humpen Bier sein kann. Lachte innerlich leise und ward traurig.

Sie sind so toll, so voller Leben. Da wird geklappert, da blitzt der Busen, die Würfel fallen, Geist wird ausgeschenkt in Überfluss, laute Reden, lachen, kichern – frage mich, wer bin ich denn? Traue mich nicht große Reden zu schwenken, erstmal kleine Brötchen zu backen so ich zum Nächsten: „Mein lieber Herr, nach langer Reise und ganz allein – ein friedvolles Fleckchen ist mein Gebehr..“ Hätte ich das doch nicht gesagt, gefragt! Des Kerles Zornesfalten schwollen an, die Haut plötzlich sehr dünn, im Nacken restliche Wunden vom letzten Kampf blickt er mich an und.. sagt zu mir, „Mein kleiner, lieber junger Mann – sie erinnern mich..“ – sagts, haut den Leuten auf die Köppe und nimmt mich in den Arm.

Unendliche Treppen ging ich rauf in Erwartung eines neuen Paradieses. Zu einem Flecken der mich aufnimmt. Mich akzeptiert. Wo ich in Ruhe vergessen kann was mal war. Rotgestrichene Fensterläden klappern, lachen mich unheimlich an. Nicht zweimal Sechs stand ich vorm falschen Haus, in naher Ferne klingt orthodoxer Glockenklang. In Kutten erscheint ein Künstler, schaut mich an mit seinem farbenfrohen Gewand, wohlwissend ich wär hier falsch. Es fehlte mir der Mut die oberste Klingel letztendlich zu drücken, ein kleiner Hasenfuß so kam ich mir vor, furchtsam rüttelnd als in die Jahre gekommenes Individuum stellen sich in diesem dunklen Tal umgeben von wilden Bergen, meine Haare auf. Erst fein und ohne es zu merken, packt mich eine Geißel zart dann hart und unerbittlich fest, die Hoffnung schwand. Ich war mal da. Es tut so weh und ich lass nicht los, kann nicht begreifen dass die Sonne, die Gezeiten, die Welt sich dreht und einfach so weitermachen als ob es mich nicht gäbe. Ich bin noch nicht parat.

Es wäre das vorletzte Haus. „Willkommen und eine gute Fahrt!“ sagt er mit angenehmer Stimme. Schlimmes ahnend und mit ohne Plan dehnte ich Sekunden zu Minuten. Minuten zu Stunden und aus Stunden wurden Ewigkeiten in deren Mitte ich saß und noch eine letzte Ziggi rauchte, wohlwissend – sie gibt mir Halt, doch am Ende glimmt es nur noch schwach. Meine Finger spüren den Schmerz nicht, im Gegenteil – sie suchen ihn. Zu leben, zu lieben, zu leiden und für immer Mensch zu sein. Doch entgleitet mir die Welt, ich schaue zu. Ein Alptraum der Wahrhaftigkeit wird mir Gewahr. Bitte noch nicht.

Weihnachtsgeschenkedruck und Cyber

Seit einigen Tagen bin ich in der Knochenmühle hochkonzentriert. Das geht schon so weit dass mir Scheff und Scheffscheff mit weit aufgerissenen Augen gegenübersitzen und sich wundern ob meiner geistigen Brillanz. Teilweise sagen sie sogar „Guten Tag, Herr Schirrmi“ oder auch „Mahlzeit!“.

Ich wundere mich ein wenig warum. Habe ich mal wieder ein paar grobe Managementfehler ausgebügelt? Einen virtuellen Brand im Rechenzentrum verhindert? Draußen den Penner gehindert auf den CEO-Parkplatz zu reiern? Keine Ahnung. Ist mir auch egal.

Denn ich habe anderes zu tun, aber das mit absoluter Konzentration. Mit einer geistigen Schärfe, mit allen in meinen Fasern befindlichen, analytischen Fähigkeiten auf den Wandkalender zu schauen. Zu wissen, es dauert nicht mehr lange. Wie jedes verschissene Jahr sehend, schon lausig spürend dass es bald weihnachtet. Mit ohne Geschenke. Druck. Stress. Das ging schon soweit dass ich den Roten anbrüllte als ich einen Dezembersamstag für einen Change einplante. Er meinte nämlich, und das ist die Wahrheit: „Aber da kann ich vielleicht nicht wegen Weihnachtsmarkt…“. Es platzte aus mir heraus „BISTE SCHWUL ODER WAS! WEIHNACHTSMARKT?! HALLO????“

Ich sag ja, es geht nicht immer mit Samthandschuhen in der Welt umher. Bin ja auch nicht der Erlöser. Nicht der genagelte – der mit den Bauchmuskeln. Da am..

Jedenfalls und das tut wohl nichts zur Sache, ich habe heute 700,- EUR gespart. Ich habe nichts, notting, gekauft im Internet. Da kann mir Cyber und Black und Friday und der Montag mal ganz gepflegt kreuzweise einen rubbeln. Und könnten, da bin ich ja nicht so, erstmal selbst entscheiden wo. Der Mensch an sich hat ja nicht nur eine heterogene Stelle 🙂

Zum Schluss, weil ja soweit alles erklärt ist, noch ein Zitat von mir: „Konzentriere Dich nicht nur auf Deinen Kot. Sondern bemerke auch die Scheiße drum herum.“

Schöne Adventszeit Leute!

Gute Nacht Gedanken

Die Kippe grade angezündet las ich ein Zitat:

„Sparsamkeit armen Leuten zu empfehlen, das scheint mir ebenso lächerlich wie beleidigend. Es ist, als ob man einem Verhungernden riete, weniger zu essen.“ (Oscar Wilde)

Daraufhin ging ich mit der Kippe um wie wild und wirr, sie zerbrach im Aschenbecher. Noch neu, doch alt. Kein Genuss mehr. Quasi im Halse steckengeblieben. Hätte ich sie ordentlich von Glut und Asche befreit, ich hätte sie verschenken können. Jemand hätte sich gefreut. Mir kommen die Tränen.

Es geht immer schlimmer mit uns um, die Sau wählt seinen Schlachter. Ich sah gestern den Film „Equilibrium“. Als ehemals bibelfester Jünger der Liebe nahm ich glucksend zur Kenntnis das Leben schlimm, nicht einfach ist. Keine neue Erfahrung aber eine Er- und Auffrischung für mich, was eine Gesellschaft ohne Mitgefühl bedeutet. Nun macht sie es der Birne nach und keiner hegt Zweifel daran. 16 Jahre Stillstand. 32 Jahre – ein dunkles Loch. Ich mittendrin. Womit hab ich das verdient? Hannelore zog die Reißleine, mit ohne Kohl.

Dann las ich nebenan bei der Schrottpresse „Wir haben keine Zeit für Abkürzungen« (alte Pfadfinder-Weisheit!)“. In Stammheim ermordet. In RTL und mit der BILD erstickt. Die Propagandatagesschau, finanziert von der dummen Sau – dem Volk, schreit verlogen in die Welt das neoliberale Gedankengut, schreitet mächtig über Leichen und skandiert recht höflich doch wohl finanziert, Kommentare hassend: „Nie ging es uns so gut! Der DFB, Goldmedaillen, Exportüberschuss, nee, der Maidan..“ – listig zwinkernd, das ginge nicht bei uns.. hihi, haha – Herr Steinmeijaaaa!

„Wir haben keine Zeit für Abkürzungen.“ Das möchte man sich wünschen. Ein Peng. Ein Knall. Mit physikalischen Gesetzmäßigkeiten, das hätte sie eventuell noch wissenschaftlich erklären können als Kadersau in der DDR. Doch menschlich – nein. Mit hängenden Winkeln und als transatlantischer Puppe wird es langsam Zeit. Tritt vorzeitig ab. Gerne auch ungewollt. Siehe das Periodensystem und lausche deiner nicht vorhandenen Kinder: „Ich schäme mich für Dich!“