BonnLive: Huck Le Berry Finn @ Namenlos Bonn

Aus meiner Geburtsstadt Bonn. Diese Zeiten sind schlimm für Künstler, Veranstalter, Studenten – ja für uns alle. Einer von denen im Video ist meine Frucht. BonnLive versucht ein wenig Milde in diese verfahrene Situation zu bekommen.

Es ist ein wenig seltsam für mich, das zu sehen. Wie die Zeit vergeht. Wie ich war, wie ich ging. Damals in meiner Jugend verbrachte ich mit meinen Freundinnen und Freunden „Tage“ und Nächte im Namenlos. Was es erstaunlicherweise noch gibt. Jetzt sitzt da der Jung und frönt seiner Leidenschaft. Starke Erinnerungen kommen da bei mir hoch.

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Danke, viel Vergnügen und alles Gute!
Euer Schirrmi

Lagerkoller

Schon lange nichts mehr hierhin gesudelt, obwohl es doch grade so viele Geschehnisse gibt. Nicht allzu sehr bei mir, sondern so im Allgemeinen. Habt ihr sicher schon mitbekommen. Die allgemeine Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, steigende Armut und sonstige geringfügige Einschränkungen sind bislang an mir persönlich vorüber gegangen. Diese Dinge machen mich betroffen, damit ihr mich richtig versteht. Aber ich habe meinen Job noch, und führe ihn per Homeoffice-Location aus und erhalte dafür immer noch pünktlich mein Schmerzensgeld. Damit darf ich mich zu den Glücklichen zählen.

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Grabräuber

Hat hier schon mal jemand seine Oma umgebettet? Ich frage jetzt nicht Altenpfleger oder Familienangehörige, die sich um die lieben, lebenden Omis kümmern. Nein, ich rede von der verstorbenen Oma – Gott habe sie Seelig!

Die Tochter meiner Mutter und meines Vaters schickte uns, den Familienmitgliedern, per modernder Kommunikation innerhalb einer „Gruppe“ ein Foto eines Zeitungsauschnitts: „Für folgende Wahlgrabstätten auf den xxx Friedhöfen ist das Nutzungsrecht abgelaufen: “ In der Liste, unsere Oma, friedlich und mit Gottes Segen, hatte Nummer V1 Nr. 38. Ob nicht einer der Enkel das Grab räumen könnte. Ich sagte sofort zu. Denn eine Woche Kurzurlaub mit Scheißwetter und Reiseverbot aufgrund der zweiten (ist sie schon da?) Corona-Welle, ließ mich freudig auf ein wenig Tätigkeit und Muskelarbeit hoffen.

Bewaffnet mit Schippe, Sackkarre, Spitzhacke etc, bin ich dann da in das andere Bundesland gefahren und fand recht schnell das Grab meiner lieben Omi. Ich tat was ich tun musste und schnell war alles abgebaut, ausgehoben, umgegraben, „sauber gemacht“ und alles was an das Omi-Grab erinnern konnte, befand sich in meinem Kofferraum und machte noch ein Foto vom verbliebenen Erdloch. Hier am Arsch der Welt habe ich den ganzen Kram ausgeladen und in meinen Vorgarten drapiert, mitsamt gravierter Grabplatte.

Stolz auf meine Leistung, schickte ich ein Foto des ehemaligen Grabs in die Familiengruppe und wollte, wie immer, Lob erhalten. Ein Bruder sandte nur eine Frage: „Hast Du auch das richtige Grab genommen?“. Ich sann über diese Frage nach und antwortete mit: „EY, DU ARSCH! Ich werde doch noch wissen wie unsere selige Oma heißt! Elfriede Koch!“. Mein Telefon vibrierte, und ich las nur dieses eine Wort: „Nein!“

Gegen Krieg und für den Frieden

Schon seit langem wird die Propaganda für den Krieg und gegen die Menschen hochgefahren. Frieden und Mitgefühl sind Fremdworte geworden und bevor die Granaten fallen, werden wir mit Lügen bombardiert.

Gestern war der „Internationale Tag des Friedens“. Am 1. September wurde wohl der „Antikriegstag“ begangen. (hier nachzulesen). Als ich damals noch in Bonn weilte, bekam ich viel öfters mit was die Menschen um- und auf die Straßen treibt und dass die Lügen nicht unentdeckt sind. Hier im heimeligen Westerwald passiert nichts dergleichen. Man fühlt sich, als ob man im Paradies lebt. Kein Aufbegehren, kein kritisches Wort – wenn, dann hinter vorgehaltener Hand, alles nur gehorsame Maskenschafe. Egal wie jung, egal wie alt. Gleichförmig nach Muttis Motto: „In einem Land, in dem wir gut und gerne leben.“.

„Scheiße!“, sage ich dazu. Resignierend.

Am 5. September 2020 hat Eugen Drewermann eine sehr bewegende Rede auf dem Sowjetischen Soldatenfriedhof in Stukenbrock-Senne gehalten. Er beschreibt unmissverständlich wo die Menschheit stand, welche Chancen sie hatte und wo uns der Irrsinn zwangsläufig hinführen muss. Er hat mich mit seiner Rede zutiefst berührt und ich wäre froh, wenn sie ein jeder hören und sehen würde und den ein oder anderen zum Nachdenken anregt.

P.S.: @Nadine: Alles Gute, ewiges Glück und Liebe wünsche ich Dir zu Deiner Hochzeit.

Wer ist hier der Idiot?

Sorry für die reißerische Überschrift!

Wer mich kennt, weiß dass ich wenig verlange. Aus Gründen. Weder von mir noch von Menschen. Von beiden hat mich die Erfahrung gelehrt, dass die Enttäuschung sehr groß sein kann und zwangsläufig auch kommt. Jugendlich verdingte ich mich erfolglos als Don Quichote-Double, die Erfahrungen nahmen im gleichen Maße zu wie erwähnte Enttäuschungen, der Glauben an, ja an was, nahm ab.

Der liebe Heinrich, Heine, belustigte sich mal mit erhobenem Zeigefinger an der Vernunft: „Die Vernunft. Die Vernunft! Ist das höchste Gut!“. Köstlich, wie ich finde. Und immer köstlich die Mienen der Mitmenschen zu sehen, wenn ich diese paar Worte mit erhobenem Zeigefinger rezitiere. Die Vernunft! Ist leider abgesagt. Gibt es nicht mehr. Gestrichen. In den Lokus gespült. Weg. Vergessen und vergangen. Ich lebe in einer unvernünftigen Welt mit unvernünftigen Insassen und frage mich täglich warum das unerträgliche Maß noch nicht erreicht ist. Ich meine zu wissen dass es nicht mehr schlimmer werden kann. Und was passiert? Es wird schlimmer.

Wer mich kennt, weiß dass ich nicht befehle. Manchmal anraten, ja. Wenn es zu Dicke kommt – Empfehlungen aussprechen. Aber das alles sehr selten, weil ja jeder seines Glückes selbst der Schmied ist. Ich will ja auch nicht stören. Keine Blasen zerplatzen lassen. Die Leute selber draufkommen lassen. Das hat ja dann auch den besseren Lerneffekt. Manchmal etwas zart anheimstellen. Auf etwas sanft hinweisen. Mehr mache ich ja nicht. Weil ich in so einem Punkt ja ebenfalls ein wenig sensibel bin. Wie sowas rüberkommen kann.

Derzeit ist aber unser Irrenhaus immer voller geworden. Es platzt aus allen Nähten. Begreiflich werden die Dinge immer weniger, die Vernunft hat abgedankt. Ein für alle Mal, wie mir scheint.

Um mir selbst mit den vorangegangenen Sätzen ein Bein zu stellen – hier ein Lesebefehl: http://www.kaysokolowsky.de/neu-ja-normal-nie/ Ein Text des von mir sehr verehrten Kay Sokolowsky, mit seinem sehr feinen „Abfall aus der Warenwelt“-Blog, der hier die Dinge aus- und anspricht, die mich derzeit ebenso bedrücken wie fassungslos machen. Mehr verlange ich nicht.

Haut rein!

Die verschissene Sucht

Endlich Feierabend! Den Arbeitstag vergessen, die Knochenmühlenklamotten gegen etwas gemütlicheres getauscht, die Mucke aufgedreht und den Kindle aufgeklappt – so begann mein wohlverdienter, geruhsamer Abend. Bis ich merkte, dass ich meinen Tabaksbeutel in der Firma vergessen hatte. Die verschissene Sucht weiterlesen

Nur so

Offiziell ist die 1. Welle wohl vorbei. Nach vielen Wochen Homeoffice hat die Knochenmühle angeordnet, dass wir uns alle doch wieder in dem wunderschönen, neuen Verwaltungsgebäude einzufinden haben. Großraumbüros, weite Hallen, viele Kolleginnen und Kollegen, der liebste Chef der ganzen Welt von morgens bis abends direkt mir gegenüber an einer Vierertischgruppe. Wie habe ich das vermisst! Den ganzen Tag seine liebe und angenehm leise Stimme zu hören. Sein zurückhaltendes Kauen, Schmatzen, Röcheln, Stöhnen beim Essen seiner mal 300 Pfund gemessenen Frühstücksmenge. Aber auch seine Gesprächspartner zu hören, wenn der liebste Scheffe der Welt mit der immer unzureichenden Technik kämpft und sein Headset, seine PC-Lautsprecher, seine Monitor-Lautsprecher, sein Telefon – tja, alles gleichzeitig laut zugeschaltet ist, wenn er telefoniert. Der Hit! Jeden Tag, von morgens bis abends. Nur so weiterlesen