{"id":3757,"date":"2016-07-18T22:28:03","date_gmt":"2016-07-18T21:28:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schirrmi.de\/blog\/?p=3757"},"modified":"2025-01-18T20:29:01","modified_gmt":"2025-01-18T19:29:01","slug":"der-junge-der-ueber-daecher-ging","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schirrmi.de\/blog\/der-junge-der-ueber-daecher-ging\/","title":{"rendered":"Der Junge der \u00fcber D\u00e4cher ging"},"content":{"rendered":"<p>Einige Zeiten liegen zur\u00fcck. Nie hat jemand diese traurige Geschichte weder bei einem Glas Bier noch bei einem Schoppen Wein kolportiert. Es traute sich niemand. Bis jetzt.<\/p>\n<p>Jetzt tut es mir ein wenig wehe wenn ich zur\u00fcck blicke. Was ihm passierte. Ein ganz normaler junger Mann. Au\u00dfergew\u00f6hnlich in seiner Sensibilit\u00e4t. Dem Wunsch nach Freundschaft \u2013 nach Liebe und Zuneigung. Ein Ausgesto\u00dfener ob seinem befremdlichen \u00c4u\u00dferen, die gro\u00dfe Nase, der Geruch, Haare von seiner Mama geschnitten, die Unterhosen Wollen \u2013 die Winteroma meinte es nur gut.<\/p>\n<p>Im Klassenunterricht war er einer der Stillsten. Wenn nicht der stillste. Man sah ihn die Angst in den Augen an wenn er den Raum betrat. So viele Leute, so viel Grauen. Hatte schon Angst die Nacht davor, das der n\u00e4chste Morgen kommt und es hei\u00dft: \u201eSchulzeit, mein lieber Junge!\u201c Freundlich l\u00e4chelnd seine Mama und strich ihn wie jeden Morgen \u00fcbers Haar. \u201eIch bin so stolz auf dich, bring gute Noten heim.\u201c, herzte, k\u00fcsste ihn und entlie\u00df ihn in die Welt.<\/p>\n<p>Er striff die selbstgetrickte M\u00fctze ab, versteckte sie im Keller. Diese Hosen, diese Schuhe die schon der Bruder trug, so alt und nicht mehr modisch. So geht er ein ums andere Mal in die Arena. Er wird geschupst und gehauen. Geh\u00e4nselt \u2013 er will wieder schw\u00e4nzen. W\u00fcnschte Schl\u00e4ge von daheim \u2013 denn da, ja da schallt das Lachen nicht \u00fcber den Pausenhof und er ist nicht allein. So Allein. Nur ein G\u00fcrtel der knallt.<\/p>\n<p>Das Ballspiel hat es ihm angetan. Gemeinsam ein Ziel verfolgen. Gemeinschaft, Freundschaft auch wenn es mal rumpst. So steht er am Rand und sieht zu w\u00e4hrend die anderen schon \u00e4u\u00dferlich mit dem Trikot, anders sind als er mit Hosen und geflickten Cord, Brause trinken und stark, stolz das Gr\u00fcn verlassen. Er sieht ihnen nach, keine Hoffnung auf &#8211; \u201ane kostenlose Wurst.<\/p>\n<p>So ging er dann wie so oft da hinten an den Bach. Konnte noch nicht nach Hause gehen denn der Spruch \u201eWarum bist schon hier und nicht bei Deinen Freunden?\u201c endete, wenn er ehrlich war in einem Abend der Erniedrigung \u2013 seine Geschwister sahen zu. Sein Kopfkissen wie so oft sehr nass, stumme Tr\u00e4nen, das kleine Herz zur Stille gemahnt \u2013 dass es keiner h\u00f6rt.<\/p>\n<p>Der Jung konnte es nicht mehr verbergen. Mama fragte, er wurde zu Doktoren geschickt \u2013 ganz weit weg. \u201eIs jut..\u201c, so sagte er ein ums andere Mal \u2013 es geht mir gut. Kein Aufwand, er wollte keine Aufmerksamkeit und wurde gro\u00df. Mama, Papa, Br\u00fcder, Schwester \u2013 was ich tue, seid nicht b\u00f6se auf mich &#8211; so schrieb er ungelenk in sein erstes Tagebuch und sah klar.<\/p>\n<p>\u201eIch lebe noch.\u201c \u201eWarum?\u201c \u201eIch suchte Liebe und Zuneigung und erfuhr nur Hass.\u201c so der Junge der \u00fcber D\u00e4cher ging.<\/p>\n<p>Und \u00f6ffnete wiedermal das Fenster, schaute in die Nacht so unendlich die Welt, so pl\u00f6tzlich klein seine Furcht, wie frei werde ich sein?<\/p>\n<p>Alles so weit weg. Ruhe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einige Zeiten liegen zur\u00fcck. Nie hat jemand diese traurige Geschichte weder bei einem Glas Bier noch bei einem Schoppen Wein kolportiert. Es traute sich niemand. Bis jetzt. Jetzt tut es mir ein wenig wehe wenn ich zur\u00fcck blicke. Was ihm passierte. Ein ganz normaler junger Mann. Au\u00dfergew\u00f6hnlich in seiner Sensibilit\u00e4t. 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