{"id":3321,"date":"2016-03-09T18:38:03","date_gmt":"2016-03-09T17:38:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schirrmi.de\/blog\/?p=3321"},"modified":"2025-01-18T20:29:06","modified_gmt":"2025-01-18T19:29:06","slug":"knackende-raschelnde-rattenbeinchen-sind-nicht-schoen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schirrmi.de\/blog\/knackende-raschelnde-rattenbeinchen-sind-nicht-schoen\/","title":{"rendered":"Knackende, raschelnde Rattenbeinchen sind nicht sch\u00f6n"},"content":{"rendered":"<p>Heute war mal wieder einer dieser Tage. Zwar recht sch\u00f6n im Allgemeinen, fing er auch mit sch\u00f6nem Eiskratzen an, man fror sich drau\u00dfen beim Qualmen sch\u00f6n den Ast ab, hinzu merkte ich eine sch\u00f6ne Erk\u00e4ltung heraufkriechen mit sch\u00f6nem Schnupfen, sch\u00f6nem Glieder- und Kopfweh. Kurz, ein \u00fcblicher sch\u00f6ner Tag der noch nicht vorbei ist.<\/p>\n<p>Aber, was ich ums Verrecken nicht leiden kann sind Ger\u00e4usche die ich nicht zuordnen kann. Wenn es da in unserer Zweimannzelle knackt und es st\u00f6hnt gelegentlich, dann wei\u00df ich woher es kommt. Das beeintr\u00e4chtigt meine Sklavenarbeit in der Knochenm\u00fchle nicht &#8211; mehr. Unbekannte Ger\u00e4usche, so leise und demutsvoll zur\u00fcckhaltend sie auch sind, nerven mich kolossal! Zwar nicht anfangs. Aber wenn sie penetrant sind. Also in kurzen Abst\u00e4nden immer wieder kommen und ich kann sie nicht zuordnen. Da werde ich zum John Kramer. Auch bekannt als Jigsaw.<!--more--><\/p>\n<p>Ich bin im Grunde sensibel, zur\u00fcckhaltend, h\u00f6flich und mitf\u00fchlend. Ach, und arbeitsam. Aber ich kenne mich. Zun\u00e4chst sind Dinge einfach nur nervig. Dann werden sie langsam unangenehm. Dann werde ich langsam w\u00fctend. Es endet regelm\u00e4\u00dfig in Raserei wenn man mich in meiner untert\u00e4nigsten Sklavenarbeit zum Wohle der hohen Herren und im Dienste der Gemeinschaft beeintr\u00e4chtigt. Dann, ja dann f\u00fcrchten sich sogar die H\u00f6lleng\u00f6tter vor mir. Dann sind alle Schleusen ge\u00f6ffnet, der Terror in Menschengestalt kommt aus mir raus.<\/p>\n<p>Woher ich das wei\u00df? Tja, ganz einfach. Jedes Jahr wird meine Berufungsverhandlung vertagt. Man verspricht mir: \u201eHalte nur noch ein weiteres Jahr durch.\u201c Das Ganze geht aber jetzt schon zig Jahre, so dass ich glaube mir die Fr\u00fchrente abschminken zu k\u00f6nnen. Aber ich schweife ab. Woher ich wei\u00df wie es endet wenn mich etwas nervt? Lassen Sie mich das kurz anhand eines Beispiels erl\u00e4utern:<\/p>\n<p>Ich wurde von einer Viel- in eine Zweimannzelle verlegt. Soweit ganz gut. Die Privatsph\u00e4re nahm eklatant zu. Mein Mitsklave, nennen wir ihn mal Rotkapp, ist ganz umg\u00e4nglich. Ich und er, wir k\u00fcmmern uns so gut wie es geht um unseren eigenen Schei\u00df. Er wei\u00df warum ich dort eingekerkert bin, ich wei\u00df dass er nur so zum Spa\u00df, er nennt es \u201eGeldverdienen\u201c, dort ist. Jedenfalls bin ich gro\u00df und von der Statur her wohlsituiert. Die Rotkapp allerdings ist klein, d\u00fcnn, man kann es fast schon mager nennen. Wir beide haben je einen Schreibtisch f\u00fcr die Knochenarbeit welche je auf einen eigenen Stuhl verrichtet wird. Schr\u00e4g versetzt R\u00fccken an R\u00fccken sitzen wir und schauen eine Wand an. Wenn er sich pl\u00f6tzlich bewegt bekomme ich das aus meinem rechten Augenwinkel mit. Umgekehrt wohl genauso. Obwohl, er kommt mir mit seinen vier Augen manchmal ein wenig blind vor.<\/p>\n<p>Eines Tages bemerkte ich so ein kleines Rumpeln mit nachg\u00e4ngigen St\u00f6hnen in der Zelle. Es st\u00f6rte nicht weiter, es war mir aber unangenehm weil ich nicht wusste woher das kam. Es war kein stilles furzen meinerseits, das schloss ich aus. Wiederkehrend immer dieses Rumpelst\u00f6hnen. In unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden. Es war zum Verr\u00fccktwerden. Es fing an zu nerven. Das Schlimme brodelte langsam in mir und versuchte auszubrechen. Gemach, dachte ich zu mir. Analysiere! Versuche entspannt zu sein \u2013 der Sache auf den Grund zu gehen! Da in der Zelle alles fest verschraubt ist und das einzig halbwegs noch bewegliche die Rotkapp ist, lurte ich einige Zeit nach hinten rechts r\u00fcber. Und Zack! Da hatte ich den \u00dcbelt\u00e4ter! Die Rotkapp war es die da rumpelte. Ich br\u00fcllte: \u201eDU DUMME SAU! MUSS DAS SEIN?\u201c Er schwang sich n\u00e4mlich gelegentlich, leicht auf die Armlehnen gest\u00fctzt, in die H\u00f6he und verbrachte abwechselnd mal das rechte, mal das linke Rattenbeinchen unter seinen Arsch. Und sa\u00df dann wieder eine Weile mit seinem knorrigen Arsch auf eines seiner Beinchen bis er wohl merkte dass es unbequem ist und der Vorgang wiederholte sich mit dem anderen Beinchen. Abst\u00fctzen \u2013 hoch \u2013 linkes Beinchen weg \u2013 rechtes Beinchen rauf auf den Stuhl \u2013 druff gesetzt &#8211; st\u00f6hnen. Entgeistert starrte ich ihn an und fl\u00fcsterte mit heiserer Wut: \u201eSACH MAL, DU BEKLOPPTER! HASTESE NOCH ALLE?\u201c Die Rotkapp sch\u00e4mte sich, wurde rot im Gesicht aber war sich keiner Schuld bewusst. Provozierend nahm sie noch ein Globuli zu sich den er mit einem Schluck lauwarmen gr\u00fcnen Tee nachsp\u00fclte. Ich raste! Rumpel \u2013 st\u00f6hn, rumpel-st\u00f6hn!<\/p>\n<p>Sie k\u00f6nnen sich das nicht vorstellen. Der Anblick. Wie die kleine, knorrige Rotkapp sich die Beine unterschl\u00e4gt um sich dann drauf zu setzen. Rumpel-St\u00f6hn! Das habe ich das letzte Mal drau\u00dfen vor vierzig Jahren bei einer Frau gesehen w\u00e4hrend sie die \u201eGolfgeneration\u201c las und eine Latte zu sich nahm. Gut dass es keine Seifenst\u00fccke mehr in der Gemeinschaftsdusche gibt. Die Spender sind an der Wand angebracht \u2013 man muss sich nicht b\u00fccken wenn mal was wegflutscht.<\/p>\n<p>Heute war mal wieder einer dieser Tage. Konzentrierte Knochenarbeit, jeder f\u00fcr sich allein. Nur gest\u00f6rt von irgendwelchen Hausmeistern die au\u00dfen vor den Fenstern Selbstmordv\u00f6gel aufsammelten. Genickbruch. Knack und fertig! So geht der Gedanke durch meinen Sch\u00e4del w\u00e4hrend ich verflucht noch mal richtig schnell mit allen meinen 7,5 Fingern plus Daumen meine Arbeit verrichte. Da! Es raschelt! Es folgt ein klimpern. Raschel-klimper. Was ist das? Ich bin noch nicht aufgeregt. Aber es h\u00f6rt nicht auf. Raschel-Klimper. In unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden. Immer wenn es vorbei ist, meine Konzentration wieder hergestellt komme ich wieder aus dem Takt: Raschel-Klimper. Herrgott, kruzifix, verdammich nochmal! Was ist das denn hier wieder? Nach einigen Stunden raste ich langsam. Ich merkte, ich werde wieder zur wilden Sau wohlwissend weitere vierzig Jahre absitzen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Ich sah mich leise aber energisch um und beobachtete die Rotkapp. Rumpel-St\u00f6hn. Soweit so gut. Aber bei jedem zweiten Rumpel-St\u00f6hn greift er sich in die rechte Hosentasche und f\u00e4ngt an zu Rascheln und zu Klimpern. Ich versuchte zu begreifen ob der Bekloppte jetzt endlich reif ist f\u00fcr eine Zellenverlegung, sagte aber erstmal nichts. Und schaute zu. Tatsache! Da steckt Methode hinter. Wie autistisch greift er sich wirklich jedes zweite Mal in die Tasche und raschelt und klimpert da drinnen rum. Es geht so: Rumpel-st\u00f6hn-raschel-klimper. Rumpel-st\u00f6hn-raschel-klimper \u2013 <strong>in einer Tour<\/strong>. Mein erster Gedanke, er w\u00fcrde zu wenig trinken und aufgrund dessen wird seine Haut so langsam pergamentartig und er h\u00e4tte Eierprothesen aus Metall, verwarf ich. Ich f\u00fchlte mich erm\u00fc\u00dfigt ihn anzubr\u00fcllen: \u201eDU KRUMMER HUND! SAUDA!\u201c und weiter \u201eH\u00d6R AUF DAMIT!\u201c Rotkapp antwortete lakonisch er h\u00e4tte da ein paar Zettel in der Tasche damit er sich an ein paar wichtige Dinge f\u00fcr den Abend erinnert. Und, ach, ein paar Zellenschl\u00fcssel die er gefunden h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Meine diesbez\u00fcglichen Fragen ob er die Zettel und die Schl\u00fcssel nicht irgendwo anders, bspw. in seine Hemdbrusttasche oder in seinem Pausenbrottuppadings verbringen k\u00f6nnte wurden ebenso lakonisch mit \u201eNein\u201c beantwortet. Daraufhin nahm ich ihm beides ab. Die Zettel tackerte ich an seine Stirn fest, schloss die Zelle auf und verschwand, nicht ohne noch kurz grinsend reinzurufen:<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>\u201erumpel-st\u00f6hn-raschel-klimper\u201c<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>So und jetzt sitze ich hier sch\u00f6n und sollte sch\u00f6n die Freiheit genie\u00dfen. Aber anstatt im sch\u00f6nen Puff mit netten Damen und einer ordentlichen Portion sch\u00f6nem Alkohol die sch\u00f6ne Freiheit zu genie\u00dfen, tausche ich nur die Lokation.<\/p>\n<p>Schirrmi<\/p>\n<p>P.S.: Ich habe keine Lust mehr zum Kochen. Aber wenn, dann w\u00e4re es was Einfaches geworden. N\u00e4mlich zum Beispiel <a href=\"http:\/\/www.experimenteausmeinerkueche.de\/2015\/04\/uberbackene-minutenschnitzel.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00fcberbackene Minutenschnitzel<\/a> (Seite gefunden beim <a href=\"http:\/\/kiezneurotiker.blogspot.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kiezneurotiker<\/a>)<\/p>\n<p>P.P.S.: Ich schlo\u00df die Zellent\u00fcr ab und warf den Schl\u00fcssel weg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute war mal wieder einer dieser Tage. Zwar recht sch\u00f6n im Allgemeinen, fing er auch mit sch\u00f6nem Eiskratzen an, man fror sich drau\u00dfen beim Qualmen sch\u00f6n den Ast ab, hinzu merkte ich eine sch\u00f6ne Erk\u00e4ltung heraufkriechen mit sch\u00f6nem Schnupfen, sch\u00f6nem Glieder- und Kopfweh. Kurz, ein \u00fcblicher sch\u00f6ner Tag der noch nicht vorbei ist. 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