{"id":2839,"date":"2015-09-02T19:33:23","date_gmt":"2015-09-02T18:33:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schirrmi.de\/blog\/?p=2839"},"modified":"2025-01-18T21:29:34","modified_gmt":"2025-01-18T20:29:34","slug":"der-dunkle-fleck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schirrmi.de\/blog\/der-dunkle-fleck\/","title":{"rendered":"Der dunkle Fleck"},"content":{"rendered":"<p>Letztens mal wieder im Harz gewesen. Zum Wandern. Wie so oft war es mir ein Riesenspa\u00df, ein Erlebnis ohnegleichen. Zu der Ersten, kamen noch F\u00fcnf weitere Blasen hinzu. Und das schon am Zweiten Tag. Klinische Versorgung geschah selbstverst\u00e4ndlich als autodidaktischer Arzt mitten im Wald, im Dunklen. Nach dem Dritten verbrauchten Blasenpflaster \u2013 und der Vierte Tag brach noch nicht mal an, da schaute ich in die R\u00f6hre. Die im \u00dcbrigen kleiner als eine Briefmarke war.<!--more--><\/p>\n<p>Na jedenfalls schossen wir so gef\u00fchlte Sechshundert Fotos w\u00e4hrend unserer Selketalstieg-Wanderung. Nach Durchsicht der bildlichen Erg\u00fcsse waren wir einigerma\u00dfen angetan was geschafft wurde. Regen hier, Lostplaces da. Matsch dort, Honks allenthalben \u2013 gerne auch als Vermieter. Und das eine Woche lang.<\/p>\n<p>Es reichte ja nicht dass wir \u201eWessis\u201c sind. Vor, w\u00e4hrend und nach den Mahlzeiten wurden wir gemobbt. Nein, wir mussten mit den Viechern sogar in deren Autos rumsitzen. \u201eBetreutes Wandern\u201c ist das Stichwort. Sie brachten uns hin und holten uns auch wieder ab. Vor beiden Gelegenheiten hatten wir immer eine Heidenangst. Ihr wisst schon: West-Virginia. Menschenfresser. Kopf ab. Behinderte Kinder mit Hasenscharte welche mit Zahnl\u00fccken auf Banjos spielen und schon das Ende kennen. Also wie es mit euch ausgeht. Am Ende. Das endg\u00fcltige Ende &#8211; ohne Haut am Leib und gerne vor oder auch egal, nach dem Ableben, mit einer Kettens\u00e4ge gestreichelt worden zu sein. Solche Honks meine ich!<\/p>\n<p>Ich schweife ab.<\/p>\n<p>Eine Frau Thielemann sandte mir j\u00fcngst einen Brief aus der besagten Gegend. Mit Verwunderung stellte ich fest dass sie mir ein Foto von mir schickt mitsamt \u201eFreundlichen Gr\u00fc\u00dfen\u201c und \u201e\u2026 ist ohne Unterschrift g\u00fcltig\u2026\u201c. Naja, Honks halt. Keine Ahnung von H\u00f6flichkeit. Aber dass ich der Frau Thielemann meine Adresse gegeben h\u00e4tte \u2013 nein, daran kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern. Was liegt n\u00e4her als mich f\u00fcr diesen netten Brief zu bedanken?<\/p>\n<p>Exkursion: Ich geh\u00f6re ja nicht zu den M\u00e4nnern die fremde Damen nach ihrer Telefonnummer fragen. Warum auch? Ansprechen, nett sein, ficken. Fertig.<\/p>\n<p>Weiter im Text: Sie hat mir also netterweise ihre Telefonnummer hinterlassen, ich nahm das mal so als Angebot an. Wer wei\u00df was aus einer zarten Pflanze noch so wird? Aber, der Anfang war gemacht und ich w\u00e4re der Letzte der einen Liebesbrief ignorieren w\u00fcrde. Heute wartete ich also das Schorsch, \u201eAzubi-Begl\u00fccker\u201c, um 10:00 Uhr mit den Auszubildenden \u201eTee trinken geht\u201c. Dachte wenn ich mit Frau Thielemann, auch wenn es zun\u00e4chst nur telefonisch ist, alleine im B\u00fcro bin, kommt eher eine gewisse, ach, ihr wisst schon, auf. Dann aber schnell, Schorsch (wird demn\u00e4chst 50) wird mit den Azubis 30 Minuten weg sein, musste ich mich beeilen. Mit geilen schwitzigen Fingerkuppen die Nummer der Frau Th. gew\u00e4hlt. Tuut \u2013 Tuut \u2013 Tuut \u2013 Knacks! Oh, dachte ich so bei mir. Frau Th. kann wohl grad nicht. Ich wollte ja nicht aufdringlich werden bei unserem Ersten Kontakt. Also ein wenig gewartet und nach 2 Sekunden die Wahlwiederholungstaste bet\u00e4tigt: Tuut \u2013 Tuut \u2013 Tuut \u2013 Knacks! Habe mich nicht entmutigen lassen und spielte das Spiel alle zwei Sekunden so lange bis ich merkte dass ich eine falsche Nummer w\u00e4hlte. \u201eOh, was bin ich f\u00fcr ein Schelm\u201c, so tadelte ich mich leise vor mich hin. Dann die richtige, die \u00fcber- die geilste, die waswei\u00dfich richtige Nummer gew\u00e4hlt und, ohjehmine, leider nur ihr Anrufbeantworter dran. Egal dachte ich mir, den Hodensack reibend, h\u00f6re ich wenigstens schon mal ihre Stimme. Engelsgleich, sanft aber doch leicht fordernd lauschte ich ihrer Stimme, ihren Worten. Die da w\u00e4ren:<\/p>\n<p>\u201eHaben Sie einen Anh\u00f6rungsbogen erhalten?\u201c &#8211; Dr\u00fccken Sie die 1<br \/>\n\u201eHaben Sie einen Bu\u00dfgeldbescheid erhalten?\u201c &#8211; Dr\u00fccken Sie die 2<br \/>\n\u201eHaben Sie einen Kostenbescheid erhalten?\u201c &#8211; Dr\u00fccken Sie die 3<br \/>\n\u201eHaben Sie Fragen zu Punkten aus Flensburg?\u201c &#8211; Dr\u00fccken Sie die 4<br \/>\n\u2026..<br \/>\n\u201eM\u00f6chten Sie Ihr Anliegen pers\u00f6nlich vorbringen?\u201c Dr\u00fccken Sie die 9. <strong>JA!<\/strong><br \/>\n<strong>Tschaka!<\/strong><\/p>\n<p>Ich dr\u00fcckte die 9, leider war wohl Fr. Th. noch im Bad oder sonstwo besch\u00e4ftigt. Sie spielte mir aber noch ein wenig von ihrer Lieblingsmusik vor. Das fand ich zwar sehr grenzwertig aber was macht man nicht alles wenn man verliebt ist. So aus der Entfernung. So. Man kennt sich ja noch nicht so richtig. Aber man sieht dann ja \u00fcber einiges hinweg. W\u00e4hrend ich der Mucke lauschte dachte ich mir, was ist wenn sie jetzt ganz pl\u00f6tzlich dran geht? Wenn ich grade beim Einatmen bin? Also, wenn sie dann endlich Zeit f\u00fcr mich hat und ich muss dann erstmal ausatmen und eine dieser komischen Pausen entsteht obwohl wir noch nicht mal angefangen hatten zu reden?<\/p>\n<p>\u201eBauer, hallo?\u201c Ich so \u201eHi, hier ist der Johannes. H\u00e4tte gerne Frau Th. gesprochen.\u201c \u2013 lechz\u2026 Sie so: \u201eAktenzeichen?\u201c Oh, wie interessant! Codew\u00f6rter. Da ist Frau Bauer ja bei mir an der richtigen Stelle. Konsequent, dabei nicht allzu eloquent antwortete ich: \u201eXY\u201c. Dann war irgendwie die Leitung gest\u00f6rt. H\u00f6rte nur irgendwelche St\u00f6rger\u00e4usche bis ich wieder laut und vernehmlich \u201eAktenzeichen!!!\u201c vernahm. Tja, dachte ich so bei mir. Was f\u00fcr ein listiges, aberwitziges Kollegenschweinchen. Will mich hinhalten. Ich selbstredend: \u201eXY, Baby\u201c. Ich will euch jetzt hier nicht mit weiteren Details aufhalten. Ein Wort gab das Andere, sie gab und ich ebenfalls nicht. Nach. Ich wusste irgendwann nicht mehr ein noch raus, \u00e4hm rein, \u00e4hm aus \u2013 und fl\u00fcsterte eingesch\u00fcchtert ob des Frau Bauers Gegrunze \u2013 \u201eIch hol die Polizei!\u201c. Angenehm\u201c, so sie zu mir. Ich: \u201eWas, ist hier auch die 110?\u201c.<\/p>\n<p>Gentleman wie ich bin, habe ich den Sachverhalt dann auch schnell aufkl\u00e4ren k\u00f6nnen. Ein wenig musste ich haspeln bei der Erkl\u00e4rung dass ihre Kollegin, meine Angebetete Frau Th. bei einer Sex-Hotline arbeitet und Briefe und Fotos an wildfremde Herren verschickt. Geschenkt! W\u00e4hrend des Gespr\u00e4chs fiel mir noch leise das Sprichwort ein: \u201eLieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.\u201c und reagierte recht schnell, quasi wie ein Kung-Fu-K\u00e4mpfer auf die ver\u00e4nderte Situation. Und frage Frau Bauer: \u201eWenn ihre Frau Kollegin grade unp\u00e4sslich ist, wie w\u00e4re es denn mit\u2026\u201c.. Meine G\u00fcte, kann man sich aufregen. Was kann ich denn daf\u00fcr dass die Frau Bauer mich zwar nicht sehr anz\u00fcglich und ungefragt angeschrieben hat. Gut, im Nachhinein kann ich es verstehen. Vielleicht ein Secco hier, ein kleines Bier dort. Schn\u00e4ppske vielleicht noch dabei und schwupps! Einfach mal so einen Brief mit Foto rausgeschickt. Und wenn es dann ernst wird den Schwanz, sorry, den, \u00e4hm, die, hach \u2013 irgendwas einzieht. Kennemaja.<\/p>\n<p>Frau Bauer tat mir ein wenig leid. Kann sie ja nichts f\u00fcr. Hat wahrscheinlich grade Telefondienst an der Hotline und wei\u00df nicht was ihre Kolleginnen so mit der Kundschaft treibt. Mit \u00fcberzeugenden Argumenten regten wir uns beiderseitig ab, die Wogen gl\u00e4tteten sich halbwegs. Ein wenig kernig wurde sie als ich anbot dass es sich mit 65,- EUR getan h\u00e4tte. Ohne Punkt. Ja gut, so billig wollte sie nicht wegkommen. Ich aber auch nicht. Wenigstens k\u00f6nnte Frau B. mir ja auch mal ein Foto schicken, nicht? Und jetzt kommt der Geilomat \u00fcberhaupt: Sie schickt mir ein Foto. Versprochen hat sie es. Sogar noch ein wenig aufgeh\u00fcbscht und vergr\u00f6\u00dfert. So mit allen Details, oh Gott, ich werde gei., \u00e4hm, geheimnisvoll. Dauert ca. 14 Tage bis ich auch von Frau Bauer ein Foto in meinem Briefkasten habe. Freue mich schon drauf. Werde dann direkt noch mal die Hotline anrufen. Mir doch egal. Wenn man sonst keinem zum Reden hat, harhar\u2026<\/p>\n<p>Ach, ihr fragt euch ob des Beitragtitels? Hier, deswegen:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.schirrmi.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/2015-09-02-20_26_37-IMG_20150902_0001.pdf-Adobe-Acrobat-Reader-DC.png\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-2840\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.schirrmi.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/2015-09-02-20_26_37-IMG_20150902_0001.pdf-Adobe-Acrobat-Reader-DC-300x280.png?resize=300%2C280\" alt=\"2015-09-02 20_26_37-IMG_20150902_0001.pdf - Adobe Acrobat Reader DC\" width=\"300\" height=\"280\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.schirrmi.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/2015-09-02-20_26_37-IMG_20150902_0001.pdf-Adobe-Acrobat-Reader-DC.png?resize=300%2C280&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.schirrmi.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/2015-09-02-20_26_37-IMG_20150902_0001.pdf-Adobe-Acrobat-Reader-DC.png?w=343&amp;ssl=1 343w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Euer Schirrmi<\/p>\n<p>P.S.: War grade pissen und l\u00fcftete die Hose f\u00fcr den alten Kameraden. Kam ne Fliege raus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letztens mal wieder im Harz gewesen. Zum Wandern. Wie so oft war es mir ein Riesenspa\u00df, ein Erlebnis ohnegleichen. Zu der Ersten, kamen noch F\u00fcnf weitere Blasen hinzu. Und das schon am Zweiten Tag. Klinische Versorgung geschah selbstverst\u00e4ndlich als autodidaktischer Arzt mitten im Wald, im Dunklen. 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