Fastentagebuch #1

Liebe Fastentagebuch,

seit einigen Tagen faste ich nun schon nach rein christlichem Angedenken und Brauchtum. Angekündigt hatte ich meine Enthaltsamkeit, nun wird es Zeit für einen ersten Statusbericht.

Du wirst sicher gerne hören dass ich eisern blieb. Ich verzichte bis jetzt konsequent auf Salat, Fisch und Meeresfrüchte. Aber dennoch muss ich dir leider etwas gestehen. Aber vorneweg, was bin ich froh dass Du als mein Tagebuch stumm bist. Kannst also auch nicht meine persönlichsten Angelegenheiten verpetzen. Und als Eigenschaft eines Tagebuches bist Du auch geheim. Die nur für Dich geäußerten Gedanken und Gefühle bleiben vertraulich. Nur Du und ich. Wie schön dass es Dich gibt! Ein guter Freund in stürmischer See. Ein Vertrauter wie man ihn nicht noch einmal haben kann.

Jedenfalls, ich erwähnte es schon, ich bin bis jetzt eisern geblieben mit dem fasten. Neben den verschissenen Hintergründen dieses unsäglichen Brauchtums erhoffte ich mir positive Nebeneffekte für meine Persönlichkeit. Da wären: Ein wenig abnehmen; ein wenig gelassener werden; Rückbesinnung; dem Alter entsprechend ein wenig Weisheit entwickeln; Pipapo.

Mein Ziel hat ja etwas mit Verzicht auf gewisse Nahrungsmittel zu tun. Aber nicht ausschließlich. Mahlzeiten muss der Mensch ja trotzdem zu sich nehmen. Also was tun, wenn man sich selbst die Hauptnahrungsmittel verbietet? Man geht raus und schaut was die Natur einen bietet. Zum Glück befinde ich mich in der Winterjahreszeit, wie Du weißt, und hier im Westerwald ist nachts / Frühmorgens oft Bodenfrost. Was liegt da näher als Geld für prekäre Supermarktware zu sparen und auf die Suche nach gefrosteten Hundehäufchen zu gehen? Laut einer Studie der beliebten und wahrheitsverpflichteten Sender ARD/ZDF, sowie eigens eingeflogene „Experten“ werden fast alle Vitamine erhalten wenn das Nahrungsmittel kurz nach dem Ernten gefrostet wird. Somit begab ich mich auf Wald- und Wiesenwege, klapperte Bürgersteige und Straßen ab um Haufis vom Boden abzukratzen. Man muss nur schnell wieder daheim sein. Du, liebes Tagebuch, weißt ja: die Kühlkette!

Eigentlich könnte man davon ordentlich satt werden wenn man vegane Würze verwendet und sich darauf freut. Aber das kam mir ein wenig fad vor. Du kennst doch sicher noch die E. und die K. und die S. etc. – die fasteten auch oft. Jedoch war es eine Form der Enthaltsamkeit die irgendwie unangenehm war. Für mich. Sie tranken unentwegt schlimme Dinge, führten sich hinten rum Wässerchen ein und in einer anderen Konsistenz „wässerte“ es wieder raus, und stanken im Allgemeinen. Wir hatten bald keine Freunde mehr, die Schwiegereltern luden uns auch nicht mehr ein.

Rückblickend auf diese unmenschlichen Rituale versuche ich meine Mahlzeit dann doch ein wenig angenehmer zu gestalten. Ich rieb ein wenig Käse – meine Gelenke tun jetzt noch weh, pulte – dank dem neuen Ohrpiercing, ein wenig Geschmack hinzu und voilà!:

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Es tut so gut, Dir mein liebes Tagebuch, von den Highlights meiner Fastenzeit zu berichten. Sich mal richtig vertraulich ausquatschen zu können. Ich habe sogar an Gewicht zugelegt. Schaute heute das erste Mal wieder in den Spiegel und sah den grausamen Wohlstand. Na ja, es geht ja nicht ausschließlich um Gewichtreduktion. Aber dass ich die Treppen zum Knochenmühlenbüro aufgrund von Kurzatmigkeit nicht mehr hochkomme – na das, das ist doch mal etwas Positives. Finde ich.

Dir kann ich es ja gestehen. Ich habe heute Pups gemacht.

Dummerweise und ich glaube das ist dem 40-Tage-Verzicht gezollt – ich bin auf Werbung hereingefallen! Du weiß ja, passiert mir normalerweise nie. Aber irgendwie, man soll ja in der Fastenzeit viel Flüssigkeit zu sich nehmen, hatte ich weniger aufgetauten Hundegulasch zu mir genommen als gesund wäre. Jedenfalls versprach die Werbung viel und hielt wenig.

Sie war dumm wie Brot, hatte kurze Haare, kein Bikinioberteil und später rief dann auch noch ihr Ehemann an ob sie auf ihrem Mädelsabend noch Spaß hätte. Wenigstens hatte ich vorher Nivea benutzt. Also Merker, liebes Tagebuch: Nicht auf Werbung hereinfallen!

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So, mein liebes Tagebuch. Das war es für heute. Ich werde mich jetzt mal auf Tripper untersuchen. Aber das bleibt unter uns, gelle? 🙂

4 Gedanken zu „Fastentagebuch #1

        1. Verdammt gute Frage, L. Die Menschheit treibt sich um und stellt sich ewig immer die gleiche Frage von Gut und Schlecht, Genießbar und Böse. Die wildesten, die geistreichsten, Intellektuelle, Linke, Neuwieder, Griechen, Phylosophen, Dichter und Denker – ja sogar Kafka und Bukowski – stellen sich diese Frage seit Jahrhunderten. Nein, so adhoc kann ich Ihnen diese Frage nicht beantworten. Ich könnte es. Mache es aber nicht.

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